Alte Freunde, neue Freunde und das revolutionäre Subjekt: Otto Gross, Erich Mühsam und Eduard Schiemann

"(…) Ferner gehörten zum Tat-Kreis der Maler und Zeichner Robert Scheidegger, geb. 1882 in der Schweiz; der Schriftsteller Ludwig List, geb. 1883 in Österreich [...], der Kunstmaler Juan Babtist Carbonel aus Barcelona, geb. 1880, der Kunstzeichner Eduard Schiemann, geb. 1885 in Rußland, der Zeichner Ernst Frick, geb. 1881, der stud.phil. Alexander Schmied, der praktische Arzt Dr. med. Ludwig Arthur, geb. 1874 [...], der Student und Schriftsteller Friedrich Klein, geb. 1882 [...], der künftige Maler Georg Schrimpf, geb. 1889 [...], der Schriftsteller Oskar Maria Graf, geb. 1894 [...] und der Student der Nationalökonomie und Literat Franz Jung, geb. 1888 [...].“ (Linse, Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, S. 94 FN 81)

Die summarische Aufzählung der beteiligten Protagonisten in Ulrich Linses Schrift "Organisierter Anarchismus“ ist ein wenig irreführend, denn tatsächlich sind längst nicht alle an der Gruppe "Tat“ beteiligten Personen genannt. Außerdem sind die genannten nicht zeitgleich aktiv. Immerhin: Eduard Schiemann, mit dem ich mich vordringlich beschäftigen werde, ist dabei, der zweite Hauptakteur meiner Darstellung - Otto Gross - bleibt ungenannt und spielt doch im Leben Erich Mühsams und bei der Entwicklung der Gruppe "Tat“ eine nicht unbedeutende Rolle.

Verweilen wir zunächst bei Schiemann, der in den Tagebüchern Erich Mühsams nur an zwei Stellen auftaucht: Am 25. September 1910 finden wir ihn dort - wenig schmeichelhaft von Mühsam als "Hochstapler und ehemaligen Kulturgründer" tituliert - und am 27. Februar 1912 - "in aller Länge wieder aufgetaucht" - mit Mühsam in München friedlich beim Billard vereint. Die Charakterisierung Schiemanns ist kurz, mysteriös und typisch ironisch: Was sich hinter der Formulierung "Hochstapler und ehemaliger Kulturgründer" verbirgt, bleibt einigermaßen unklar (auch Mühsam-Biograph Chris Hirte wusste aktuell keinen Rat), immerhin wissen wir, dass Schiemann fast zwei Meter groß war und insofern Grund hatte, "in aller Länge“ wieder aufzutauchen.

Eine Beteiligung von Schiemann an bestimmten Aktivitäten der Gruppe "Tat“ ließ sich nicht nachweisen, wohl aber Anteil und Rolle im zeitgleich existierenden Münchner Kreis der Anhänger von Dr. med. Otto Gross.

"Otto Gross hatte in seinen Münchener Jahren einen Kreis von Anhängern um sich versammelt, die zum größten Teil mit ihm nach Ascona gegangen sind; bekannt geworden sind mir Leonhard Frank, Karl Otten, Frick und Schiemann, den ich schließlich in Moskau zehn Jahre später wiedertreffen sollte.“ (Jung, Weg nach unten, S. 70)

"Auch Doktor Otto Kreuz [d.i. Otto Gross, Anm. R.D.] hatte einen Kreis von Anhängern. An seinem Tisch saßen ein knochenmagerer zwei Meter langer Russe mit einem winzigen Knabenköpfchen, … .“ (Frank, Links wo das Herz ist, S. 16-17)

"Der lange Russe sagte entschlossen: 'Kein Zweifel, Nietzsche und Freud ermöglichen uns, den Weg zu bereiten für den komplexfreien hemmungslosen Übermenschen. Das ist das brennende Problem der Epoche. Wenn wir es gelöst haben, werden wir in dünner Luft gefährlich leben.' Er stützte die Stirn in die Hand. 'Da ist nur ein Hindernis, allerdings ein sehr ernstes, äußerst ernstes - das Christentum.'
 Der Anarchist, seiner Sache sicher, entgegnete ruhig: 'Das Christentum ist durch Nietzsche ins Schwanken geraten. Nietzsche hat den Unterbau des Christentums gelockert.'
 'Ah, ja, das hatte ich vergessen', sagte der Russe erleichtert.“ (Ebenda, S. 18)

"Seine Frau [gemeint ist Gross’ Frau Frieda, Anm. R.D.], maisblond wie er, mit schweren Beinen und etwas zu starker Nase - in linealgerader Linie mit der Stirn -, eine üppige Nofretete, die schön aussah, sooft beim Lächeln die großen, ebenmäßigen Zahnbögen sichtbar wurden, machte belegte Brote zurecht, einen Berg - in den langen Russen ging viel hinein.“ (Ebenda, S. 20)

"'Hoffentlich wird er Sophie deflorieren, damit auch sie das brennende Problem der Epoche mit den Augen der Mitte sieht', sagte der Russe und schob mit seinen langen, delikat gespreizten Fingern einen riesigen Streifen Brot mit Schinken in den Mund, ohne anzustoßen.“ (Ebenda, S. 20-21)

"Der Russe, der ein rotlackiertes Spielzeugroulette nicht größer als eine Untertasse, vor sich stehen hatte, sagte in einem Ton, der jede Diskussion unnötig machen sollte: 'Die achthundert Mark werden wir selbstverständlich expropiieren, da das im Sinne Nietzsches ist. Zweifellos ganz im Sinne Nietzsches!'
 'Außerdem könnten wir das Geld brauchen. Geld kann man immer brauchen', sagte Fritz und goß ein.
 Der Anarchist lächelte in ehrlicher Verachtung. 'Es geht nicht um das Geld; es geht um die Idee - nämlich die Stützen des Staates zu untergraben. Mit allen Mitteln! Darum geht es.' 'Selbstverständlich', rief der Russe ohne Besinnen. 'Außerdem kann ich mit dem Geld nach Monte Carlo fahren, wenn ihr wollt, und es mit meinem System ohne weiteres verhundertfachen. Ohne weiteres!'
 Während er auf dem Spielzeugroulette sein System demonstrierte und mit den imaginären achthundert Mark ein imaginäres Vermögen gewann, stand Doktor Kreuz im kleinen Zimmer am Fenster und blickte hinaus auf die nachtstille Straße, in Gedanken an das noch nicht gezeugte Kind.“ (Ebenda, S. 38)

"Auch Fritz und der Anarchist waren da. Vom Russen war soeben aus Monte Carlo ein Telegramm gekommen, folgenden Inhalts: KEHRE DIESEN ABEND ZURÜCK stop TODESWUNSCH. Jeder fragte sich, was das Wort 'Todeswunsch' zu bedeuten habe. Alle witterten Unheil.“ (Ebenda, S. 39)

"Der Einbruch beim Metzgermeister Rücken war planmäßig verlaufen. Während der Russe an jenem Sonntagmorgen Wache haltend in der ganz menschenleeren Straße vor dem Haus hin und her gegangen war, so übertrieben auffällig, dass der dümmste Polizist Verdacht geschöpft haben würde, hatten der Anarchist und Fritz die Wohnungstür und den Schreibtisch mit Sperrhaken geöffnet. In der Schublade waren nur sieben Mark gelegen. Durch den Raub von sieben Mark könne diese Stütze des Staates nicht untergraben werden, hatte der Anarchist gesagt und Fritz das Geld mit Gewalt aus der Faust gerungen und es wieder in die Schublade gelegt. Den folgenden Tag hatte Frau Doktor Kreuz, beeindruckt von dem System des Russen, das Spielgeld für Monte Carlo gespendet.

Kurz vor Mitternacht kam er. Ein Beamter des Kasinos hatte ihm ein Billett dritter Klasse Monte Carlo - München ausgehändigt, erst auf dem Bahnhof, und ihn in den Zug befördert, und so sah er auch aus - ein noch kleiner gewordenes Bubengesichtchen, schlammgrün wie das einer Wasserleiche. [...]


Er zog den Doktor sofort am Arm ins kleine Zimmer, ging zuerst eine Weile auf und ab, tief in Gedanken, und riß plötzlich den Kopf hoch. 'Ja, es gibt keine andere Erklärung - es muß ein Todeswunsch sein. Deshalb verlor ich. Mußte ich ja verlieren, selbstverständlich! Ohne zu wissen, wie ich hingekommen war, stand ich in Monte Carlo plötzlich im Selbstmörderfriedhof und grübelte über meine Kindheit nach.' Er riß den Kopf wieder hoch und schnitt sein Grübeln mit einer Handbewegung endgültig ab. 'Ganz zweifellos ein Todeswunsch! Ich habe auf der Rückfahrt natürlich schon mit der Selbstanalyse begonnen.'“ (Ebenda, S. 40)

"Doktor Kreuz war ein kühn und original denkender Theoretiker und im Leben der Wirklichkeit der denkbar schlechteste Menschenkenner, kindlich gutgläubig bis zur Blindheit. Er sprach mit dem Russen, der über den Spielverlust ehrlich verzweifelt war, die halbe Nacht über den Todeswunsch des konstellierten Menschen.“ (Ebenda, S. 41)

Wie wir sehen, werden wir hier von Leonhard Frank unversehens in ein therapeutisches Milieu eingeführt, dass sich deutlich von den Inhalten unterscheidet, die die Gruppe "Tat“ prägen. Leonhard Frank hat den Konsens, der die Basis des Kreises um Gross ausmacht, wahrscheinlich recht genau wiedergegeben: konsequent werden persönliche Verhaltensweisen, Meinungen und Beziehungen auf den Prüfstand psychoanalytischer Erkenntnisse gestellt, man analysiert und therapiert sich wechselseitig. Eduard Schiemann, so könnte man meinen, nimmt in diesem Kreis fast die Rolle eines Vorzugsschülers von Gross ein, beinahe behutsam könnte man den geschilderten Umgang des mehr als 10 Jahre älteren Gross mit dem lernwilligen Schiemann nennen.

Erich Mühsam taucht im Kreis um Otto Gross nicht auf, wenngleich beide zum Zeitpunkt der Gründung der Gruppe "Tat“ am 19. Mai 1909 bereits eine lange Bekanntschaft verbindet. So schreibt Mühsam drei Jahre zuvor, am 13. Mai 1906 aus Ascona an Siegfried und Charlotte Mühsam: " ... Von Wien aus werde ich, wenn es irgend geht, für ein bis zwei Tage nach Graz hinüberfahren, wo ich nicht nur von den Verwandten, sondern auch von einem Privatdozenten der Medizin eingeladen bin, der mir eine, meiner Meinung nach, sehr bedeutende Arbeit im Manuskript zur Begutachtung hergeschickt hat, die sich mit psychophilosophischen Theorema beschäftigt. Ich lernte den Herrn im vorigen Jahr hier kennen und wir haben uns dann angefreundet." (Mühsam, In meiner Posaune muß ein Sandkorn sein, S. 64)

Gross ist bereits 1905 das erste Mal in Ascona und 1906 mit seiner Frau Frieda zurückgekehrt, um den Versuch einer Entwöhnung zu unternehmen, er ist drogenabhängig.

Beide, Gross und Mühsam, sind in Ascona in eine polizeiliche Untersuchung verstrickt: Am 21. April 1906 hat sich Lotte Hattemer dort das Leben genommen, unter Beihilfe von Otto Gross und in Anwesenheit von Mühsams Freund Johannes Nohl.

Am 23. Juni 1906 schreibt der Regierungskommissar in Locarno Fr. Rusca in der Sache an die Centralpolizeidirektion Bellinzona: "Mit Wachtmeister Noseda habe ich mich nach Ascona begeben um die Privathäuser zu besuchen, in welchen [...] diese Fremdlinge verkehrt hatten, und ich habe dabei konstatiert, daß eine große Anzahl der letzern offenbar aus Mißtrauen wegen des an sie gestellten Begehrens, innert 10 Tagen regelrechte Pässe vorzulegen, in andere Gegenden verzogen sind. [...] Zu den schon genannten Personen (...) sind noch folgende zu nennen: Otto Dreidner, Student aus München, Erik Mühsam (Berlin), Frank Leonhard (München), Jeanne Hammer, Malerin von Metz, Schwangen August (ohne Angabe der Herkunft). Dr. Otto Gross von Graz. Dieser Letztere war der Wohlhabenste und verließ Ascona als einer der ersten [...]. Kaum war er fort, schrieb er von Mailand aus seinem Logisgeber in Ascona, er habe ein Päckchen in seinem Zimmer vergessen, man solle es sofort vernichten [...] weil es Gift enthalte." (Untersuchungsakten des Bundesarchivs Bern, 21/8710; Hurwitz, Otto Gross - Von der Psychoanalyse zum Paradies, in: Szeemann, Monte Veritá - Berg der Wahrheit. S. 110)

Am gleichen Tag, also am 23. Juni 1906, erhält der promovierte Arzt Otto Gross eine Privatdozentur für das Fach Psychopathologie an der Universität Graz - was ihn nicht hindert, schon im September mit seiner Frau nach München zu verziehen. Am 23. Oktober 1906 nimmt er die Arbeit an der dortigen, von Emil Kraepelin geleiteten Psychiatrischen Klinik auf, schließt Bekanntschaft u.a. mit Johannes R. Becher und geht Liebesbeziehungen zu den Schwestern Else Jaffé und Frieda Weekley (geb. von Richthofen) ein. Im Januar 1907 wird sein Sohn Peter geboren.

Die Beziehung zwischen Gross und Mühsam ist in dieser Zeit ungebrochen intensiv und zu einer Dreier-Konstellation mutiert: Frieda Gross ist eine Beziehung zu Erich Mühsam eingegangen. Frieda Gross skizziert das Setting in einem Brief an ihre Freundin Else Jaffé vom 23. März 1907: "Wir haben einen Pact geschlossen, dass er von mir aus absolute Freiheit haben soll und ich halte den Pact. [...] Otto ist ins Café verschickt, weil er seit vielen Tagen nicht mehr aus den Kleidern gekommen ist und die Freudschen Symptome heilen lassen will, ehe er sich wieder wäscht. Nachts geht er Dschiu-Dschitsu und dann teil ich ihn meist mit Mühsam, [Leonhard, Anm. R.D.] Frank oder [Sophie, Anmerkung R.D.] Benz.“ (Bertschinger-Joos, Frieda Gross und ihre Briefe an Else Jaffé, S. 74)

(Im weiteren Schreiben taucht übrigens auch Eduard Schiemann auf. Frieda Gross an Else Jaffé: "Es war natürlich höchst opportun, dem Schiemann kein Geld zu geben.")

Gross wie Mühsam sind in dieser Zeit ungemein produktiv und machen Pläne. So schreibt Mühsam am 16. Mai 1907 an Karl Kraus und berichtet vom Vorhaben, mit Otto Gross ein Blatt "Nachwuchs. Zeitschrift für psychologische Gesellschaftskritik" herauszubringen. Am 28. Mai 1907 wendet er sich an Freud um sich bei diesem für die Heilung von einer schweren Hysterie durch Freud's Schüler Dr. Otto Gross zu bedanken.

Die Beziehung zwischen Mühsam und Frieda Gross scheint im August bereits beendet - wohl nicht ohne Zutun von Johannes Nohl und Gross selbst: "Die Indiskretionen, die ich Frieda gegenüber beging und die bestimmt nicht respektlos waren, hat er [gemeint ist Johannes Nohl, Anm. R.D.] völlig entstellt [Gross gegenüber, Anm. R.D.] wiedergegeben, als ob ich Frieda beschmutzt hätte.“ (Mühsam, Tagebücher, H. 10)

Gross veröffentlicht seine Schrift "Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins“, die starke Beachtung findet, im September des Jahres referiert er auf dem Amsterdamer Kongreß für Neuro-Psychiatrie (Die cerebrale Sekundärfunktion. Autoreferat) und verteidigt die Hysterielehre Freuds.

Seine Verfassung ist allerdings zunehmend disparat: Im Nachgang des im April 1908 stattfindenden 1. Internationalen Kongresses der Psychoanalytiker (an dem Gross teilnimmt und von Freud getadelt wird: "Wir sind Ärzte und wollen Ärzte bleiben.“) erstellt Sigmund Freud eine ärztliches Zeugnis für Gross und überstellt ihn an die Heilanstalt Burghölzli in Zürich, wo er am 11. Mai 1908 aufgenommen wird. C. G. Jung übernimmt die Behandlung.

Am 20. Mai 1908 erreicht die Klinik ein Auskunftsersuchen der Münchner Polizei: "Anfrage der Münchner Polizei durch die Regierung, was mit dem Kranken los sei, er stehe wegen Kurpfuscherei in Untersuchung", heißt es in einer Notiz in der Krankenakte von Otto Gross. Was war geschehen? Dr. Max Wertheimer hatte Anzeige wegen Verführung und Kurpfuscherei gegen Gross erstattet, die dessen Behandlung der Brüder Paul und Heinrich Goesch sowie der Ehefrau Gertrud in Dresden zum Gegenstand hatte.

Der Aufenthalt von Gross im Burghölzli ist nicht von langer Dauer: Am 17. Juni 1908 entzieht er sich der weiteren Behandlung durch Flucht, am 18. Juli 1908 verzichtet er auf die Privatdozentur in Graz. Die Diagnose reicht C. G. Jung am Tag darauf nach: Dementia praecox.

Die ärztliche Tätigkeit setzt er fort - und macht sie öffentlich: Am 10. Oktober 1908 erscheint sein Beitrag "Elterngewalt“ in der "Zukunft“ Maximilian Hardens, der auch das Verhältnis zu Erich Mühsam beeinflussende Folgen haben wird. In dem Aufsatz setzt sich Gross für die Freilassung einer seiner Patientinnen, Elisabeth Lang, ein, die zwangsweise auf Betreiben der Eltern in einer Klinik untergebracht worden ist. Auch Gustav Landauer wird auf den Gross'schen Beitrag aufmerksam, er schreibt noch am gleichen Tag an Margarethe Faas-Hardegger: "(...) als ich in der Zukunft las, was da von dem Mädchen, das jetzt in der Irrenklinik ist, berichtet wird. Denn das ist doch Dein Mädchen, das Du zu Dir nehmen wolltest." (Buber, Gustav Landauer, S. 217-218)

Im Dezember kommt Faas-Hardegger nach Hermsdorf zu Landauer und wird Gelegenheit gehabt haben, die Angelegenheit mit ihm zu erörtern, wenngleich beide auf die Gründung des Sozialistischen Bundes und die Herausgabe von dessen Zeitung, "Der Sozialist“, konzentriert sind, der am 15. Januar 1909 erscheint.

In die Arbeiten ist freilich auch Erich Mühsam involviert und hat bereits am 4. März 1909 in München die Gruppe "Anarchist“ des Sozialistischen Bundes gegründet, an deren Stelle am 17. Mai 1909 - mit tatkräftiger Unterstützung von Margarethe Faas-Hardegger, die bei der Gründungsversammlung referiert, die Gruppe "Tat“ tritt.

Differenzen zwischen Landauer und Faas-Hardegger scheinen schon im März 1909 auf, als Landauer einen Artikel Faas-Hardeggers für den "Sozialist“ zurückweist, in dem sich die Autorin für freie Liebe und Mutterschaft, die Auflösung der klassischen Familie und eine Versorgung der Frauen und ihrer Kinder durch die Allgemeinheit ausspricht - Gross'sche Theoreme in Reinkultur. Auch Erich Mühsam schaltet sich ein und versucht, Gustav Landauer in einem Brief vom 6. Juli 1909 über die "Grossisch-Freudschen Lehren" aufzuklären Landauers Erwiderung kommt prompt und entschieden: Am 12. Juli schreibt er aus Hermsdorf b. Berlin an Mühsam: "Ich habe bei allen, die sich bisher bei Gross in die Analyse begaben, die unheilvollste Wirkung gesehen, … ." (Hirte, Erich Mühsam und Otto Gross, S. 16-17)

Dessenungeachtet versucht Mühsam die „Grossisch-Freudschen Lehren“ in die praktische Politik der Gruppe "Tat“ zu transfrieren. Programmatischen Charakter hat in dieser Hinsicht sein Aufsatz "Neue Freunde“, der am 1. August 1909 in "Der Sozialist“ (Der Sozialist, 1. Jg., Nr. 12, 1. 8. 1909) veröffentlicht wird und in dem er das längst praktizierte Bemühen, den so genannten 5. Stand, das Lumpenproletariat, zu mobilisieren, dokumentiert: "... sollten unter ihnen nicht unsere Menschen zu finden sein, deren Zerstörungstrieb nur der dumpfe Ausdruck einer positiven Betätigungslust war, der bisher die Idee und Möglichkeit fehlt? Die nicht für die Unterdrücker und Ausbeuter arbeiten wollen, denen braucht darum nicht allen der soziale Trieb zu fehlen, es können ihrer genug unter ihnen sein, die freudig bereit sind, in freier Gemeinschaft für sich selbst und füreinander zu arbeiten.“

Im Oktober 1910 erscheint Otto Gross Aufsatz "Über psychopathische Minderwertigkeiten“, dessen Kernaussagen wie eine nachgereichte Folie für das oben Gesagte wirken: "Die Unfähigkeit zur Ausbildung höherer Komplexe, übergeordneter Wertgefühle lässt alle inneren - die Unfähigkeit überhaupt zu länger dauernden und vorausgerichteten Einstellungen lässt auch die äusseren Hemmungen, die Furcht vor Strafe wegfallen. Die erhöhte Tonisierung, die starke Vitalität, das subjektive Kraftgefühl verleiht dabei jeder einzelnen Handlung, jedem aktuellen Vorsatz eine erhöhte Energie und Rücksichtslosigkeit.“ Und: "Der Minderwertige mit verflachtem Bewusstsein repräsentiert jenen Typus des kriminellen Menschen, dessen Überschuss an zügelloser Kraft die Schranken der Zivilisation zu durchbrechen scheint.“ Und: "Der Kern der überwertigen Idee, der wertüberhöhte Komplex muss ein Produkt der spezifisch degenerativen Seelentätigkeit sein und deren charakteristische Merkmale tragen.“ (Gross, Über psychopathische Minderwertigkeiten, 1909)

Einstweilen wird experimentiert: Am 29. Oktober 1909 wird Mühsam, der sich bei Gustav Landauer in Berlin aufhält, auf Ersuchen der Münchener Polizei wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen. Die Polizei fahndet nach den Mitgliedern der Gruppe "Tat", denen ein mißlungener Sprengstoffanschlag auf den Münchener Justizpalast zur Last gelegt wird. Am 10. März 1910 kommt es zum ersten Prozess gegen Heinrich Keller und minderjährige Mitglieder der Gruppe, am 23. Juni 1910 beginnt vor dem Münchener Landgericht der Prozess gegen Erich Mühsam, Karl Schultze (genannt Morax), Sebastian Ertl, Otto Kindler und Johannes Nohl, denen der leitende Staatsanwalt Hierer vorwirft, einen Geheimbund zum Umsturz des gegenwärtigen Systems gegründet zu haben. Mühsam, der in der Verhandlung Otto Gross als "Morphinist und Phantast“ deklariert, wird freigesprochen.

Am 1. Juli resümiert Mühsam seine aktuellen Erfahrungen in dem Aufsatz "Der fünfte Stand“ in "Der Sozialist“: "Ich hatte also vor mir ein Auditorium von Psychopathen, dummen Jungen, geldgierigen Deklassierten und daneben ein paar wirklich famose Kerle, die ihr Vagabundenleben in bewußtem Gegensatz zu der herrschenden Gesellschaft führten und neugierig und selbst manchmal begeistert den neuen Einsichten Raum gaben, die sich vor ihnen auftaten.“ (Der Sozialist, 2. Jg., Nr. 13, 1. 7. 1910)

Der "Kunstzeichner“ Eduard Schiemann erlebt in dieser Zeit eine sicher schmerzhafte Zurückweisung: Sein Entwurf für den Einband des Almanachs “Der Blaue Reiter”, nach einem Motiv von Franz Marc gestaltet, wird - so schreibt Gabriele Münter später “namentlich auch von Marc” selbst abgelehnt. "Gut scheinen mir die Dinger gerade nicht" urteilte er in einem Brief an Wassily Kandinsky.

Otto Gross ist auf Reisen - mit Sophie Benz, mit der er inzwischen zusammen lebt. Sie reisen nach Arbe in Dalmatien, Lussinpiccolo, Fiume, nach Graz, sind in München, schließlich in Ascona, wo Sophie Benz, an einer Psychose erkrankt und am 3. März 1911 Selbstmord begeht. Gross, der sie zu behandeln versuchte, ist äußerst angeschlagen und zur Behandlung in der Anstalt Mendrisio bei Casbaigno (Schweiz). Von dort wird er am 28. März 1911 nach der Wiener Anstalt "Am Steinhof" überwiesen und vom Vater dorthin überbracht. Er bleibt bis zum 21. Juni dort.

Der Kontakt zu Mühsam bleibt bestehen. Am 4. Juli 1911 schreibt er in sein Tagebuch: "Ich war die meiste Zeit meines Züricher Aufenthalts mit Gross beisammen, und wir vertrugen uns sehr gut. [...] Sofie Benz' Tod frißt furchtbar an dem armen Menschen." (Mühsam, Tagebücher 1, S. 174)

In dichter Folge gibt es weitere Eintragungen in Mühsams Tagebuch:

5. Juli 1911: "Die neue Nummer des "Sozialist", [...]. Eine Landauersche Fußnote, in der er private Mitteilungen über Otto Gross' Art, in Gesten Symbole zu suchen, öffentlich ausbreitet, vervollständigt die Berndlschen Unflätigkeiten." (Ebenda, S. 177)

6. Juli 1911: "Zum Abendbrot waren Morax und R[eitze] bei mir, der in Geschäften hier zu tun hatte und morgen wieder da sein wird. Er erzählte, daß Otto Gr. fortwährend von mir spricht und sehr überlegt habe, ob er nicht auch nach München fahren soll. Er arbeite an einem Brief an Frieda [gemeint ist Frieda Gross, Anm. R.D.] über mich und über seine Irrtümer in seinem Verhalten gegen mich." (Ebenda, S. 180)

Derweil nimmt die Diskussion mit Landauer wieder Fahrt auf, der am 10. Juli 1911 an Mühsam schreibt: "Gegen Groß war ich so hart, wie man nur sein kann, so hart wie Du fortwährend gegen Männer bist, die Du als Typen und nicht mehr als Individuum nimmst, um einer großen Sache willen. Wärst Du einer wie Tolstoj, hättest Du recht, mir Vorwürfe zu machen: aber mir bloß darum Vorwürfe machen, weil mir Groß als Typus der Welt gilt, die ich auf Tod und Leben befehde, … ." (Buber, Gustav Landauer, S. 372)

29. Juli 1911: "R. erzählte mir Trauriges von Otto Gross, der [...] in einen Zustand völligen Wahnsinns verfallen sei. [...] Es ist mir sehr leid um Otto, er ist trotz allem einer der feinsten und großartigsten Menschen. [...] - Mein Wunsch für Otto Gross ist, er soll sterben, ehe es Nacht wird." (Mühsam, Tagebücher 1, S. 224)

Todeswunsch einmal anders. Da klingt ein merkwürdiger Unterton an, der prompt in die Korrespondenz zwischen Gustav Landauer und Martin Buber Eingang findet, wenn Landauer am 1. September 1911 schreibt: "... Mühsam, der mir u.a. auch wegen der Polemik gegen die geliebten Psycho-Analytiker die schwersten Vorwürfe gemacht hatte, erzählte mir von einem neuerlichen Zusammensein mit Groß und machte beiläufig die Bemerkung, wahnsinnig sei er eigentlich ohne Frage; er führte es auf übermäßigen Konsum von Giften zurück." (Buber, Gustav Landauer, S. 381f.) Das erleichtert es Landauer, eine Gross'sche Zuschrift für "Der Sozialist“ zurückzuweisen.

Nachdem Mühsam schon am 5. September beschlossen hatte, den für Gross und dessen Zeitschriftenprojekt ausgestellten Scheck über 100 Franken nun doch lieber für sich selbst zu beheben, kommt am 7. September 1911 wieder die Wende. Mühsam notiert in München in seinem Tagebuch: "Heut kam ein langer und sehr lieber Brief von Johannes [Nohl, Anm. R.D.]. Er ist mit Gross und Iza [Prussak, Anm. R.D.] in Doussard und fährt heut nach Bern zurück. Was er über Gross berichtet, ist hocherfreulich. Seine Gesundheit soll bestens beschaffen sein, und er will jetzt freiwillig in eine Anstalt gehen, um sie [recte: sich] völlig reparieren zu lassen." (Mühsam, Tagebücher 1, S. 285)

Die Monate April und Mai des Jahres 1912 verbringt Mühsam zunächst damit, in penetranter Art und Weise Margot Jung, der Ehefrau von Franz Jung, nachzustellen. Das Ehepaar ist seit Ende 1911 in München, am 27. Oktober hat sich Jung an der Universität immatrikuliert und taucht bald auch bei den Treffen der Gruppe "Tat“ auf. Am 1. Juni 1912 notiert Mühsam: "Da habe ich die Anarchisten, da das Café Stefanie, da die Torggelstube und da den Lotte-Uli-Kreis, lauter ganz verschieden interessierte Menschen, die garnichts miteinander zu schaffen haben. Nun kommen Leute wie Klein und Jung in die Gruppe, innerlich verwahrloste Menschen zu solchen, für die innerliche Festigkeit grade das Lebensbedürfnis ist, das sie zu uns führt.“ (Mühsam, Tagebücher 1, S. 337-338)

Gross ist auf Reisen. Aus dem Hotel National Scannavini in Florenz schreibt er am 20. Juni 1912 an Dr. Fritz Brupbacher: "Ich trage mich schon seit längerem mit dem Gedanken, selber ein Blatt herauszugeben, etwa 'Organ für psychologische Probleme des Anarchismus', in dem die radical individualistischen und allen bestehenden Institutionen schroff widersprechenden Ergebnisse einer consequenten Erforschung des Unbewussten behandelt werden sollten - als ein Act von neuerlich revolutionärer Vorarbeit. Mir ist nur der Impuls dazu vorläufig noch gehemmt worden durch eine widrige Affaire mit Landauers Blatt – ich bin froh wenn ich mich darüber zu Ihnen äussern darf, denn ich leide darunter, dass heute der Verdacht auf mir liegen muss durch meine Schuld darauf nicht reagiert zu haben. Sie kennen wohl den Angriff im „Sozialist“ auf die Psychoanalyse und (in der Fussnote Landauers) auf meine Person. Ich habe damals eine Erwiderung eingesandt, die ich als eine der gelungensten von meinen Arbeit empfinde und in der ich vor allem die unabsehbare Zukunft der Psychoanalyse gerade als Seele der revolutionären Bewegung von Morgen begreiflich zu machen versucht habe. Landauer hat die Publikation dieser Antwort abgelehnt mit einer Motivierung, die mir als sicher zeigt, dass er davon gewusst hat, wie mich das psychische Trauma das mich in Ascona getroffen hat noch immer viel zu sehr lähmt als das ich fähig gewesen wäre ihm so zu antworten, wie er es allein verdient - ohne ein weiteres Wort.“ Hier haben wir Gross' komplettes Konzept, das er weiter verfolgen wird - auf der Suche nach Bündnispartnern.

Derweil steuert die Entwicklung der Gruppe "Tat“ auf einen Eklat zu. Mühsam am 31. August 1912 in seinem Tagebuch: "Gestern war Gruppenzusammenkunft. 5 Personen. Der Wirt des 'Gambrinus' hat uns das Lokal gesperrt. Das ist, glaube ich, das vierte Mal, daß uns das passiert. Jetzt geht die Sucherei wieder los. Ob wir ihm nicht genug Bier konsumiert haben, oder ob - was leider das Wahrscheinlichere ist - die Syndikalisten gegen uns intrigiert haben, darüber hat er sich nicht geäußert. Ich bin sehr erbittert, auch über Morax, der wieder ganz lässig geworden ist und sich an lauter verbummelte Leute, Klein, Jung etc. anschließt. Das letzte Mal war ich nicht dort - Morax schon seit 3 Wochen nicht mehr. Da hat, wie mir berichtet wurde, Jung, Mariechens Ehemann [gemeint ist Margot Jung, Anm. R.D.], die Gelegenheit ergriffen, über mich herzuziehen. Feige und gemein. Sobald ich ihn treffe, soll er meine Meinung hören. Nähme mir doch jemand die Mühe ab, die ich mir all die Jahre mit dem unbrauchbaren Material gebe. Oder kritisierten mich die Herrschaften wenigstens, wenn ich dabei bin! Welche traurige Autoritätsanerkennung, hinter dem Rücken eines Menschen seine Superiorität anzugreifen!“ (Mühsam, Tagebücher 1910-1924, S. 94)

Zu allem Überfluss taucht auch Gross wieder auf, wie wir Mühsams Tagebuch entnehmen.

12. September 1912: "Gestern mittag wurde ich im Caféhause durch den plötzlichen Eintritt Otto Gross' aufs höchste überrascht. Ich kann nicht sagen, daß das Wiedersehen reine Freude in mir auslöste, aber Freude war sicher auch dabei. Er kommt von Florenz und will hier bleiben." (Mühsam, Tagebücher, H. 10)

13. September 1912: "Die letzten Tage waren von Otto Gross so stark okkupiert, daß ich sehr fürchten mußte, durch die Anstrengung der Unterhaltungen mit ihm werde jede Energie zur Arbeit in mir gelähmt werden. Das habe ich ihm heute gesagt. Darauf schrieb er mir diese Woche ins Notizbuch: 'Das ist aus der Psychologie, die ich nicht reden darf: Erich, im Ernst, Du mußt zur Zeit mit irgend etwas beschäftigt und darauf aus sein, was wesentlich nicht gut sein kann. Ich bin dir diesmal – es ist wirklich nicht Selbstüberschätzung, daß ich so spreche, ins Haus gefallen wie der Eckart – und wurde z. Th. als solcher behandelt - - Was du heute gesagt hast, heißt: Du mußt immer, bevor du deine jetzige Beschäftigung wieder aufnehmen kannst, verdrängen, auf was dich das Zusammensein mit mir gebracht hat. Das aber ist dein wirkliches Sein, nur das; nicht von mir, sondern von dir selber wird dir mit mir zusammen die tiefere Wirklichkeit wieder bewußter – und die mußt du verdrängen, bevor etc. etc. und daraus - etc -' Gross’ Unterstellungen haben in der Tat etwas, was stark ergreift und suggeriert. Was mich aber in Wahrheit so anstrengt und ablenkt, ist die fortwährende Einstellung auf die ungewohnte Terminologie eines Monomanen. Ich muß mich fortwährend in Ausdrücken wie Komplex, Masochismus, Sadismus, Analyse, Verdrängung etc. zurechtfinden, und alle in neuen Bedeutungen angewandt." (Mühsam, Tagebücher, H. 10)

Mühsam sieht sich von Gross überfordert und zieht Konseqenzen. Am 16. September 1912 vermerkt er im Tagebuch: "Gross habe ich mir ein wenig vom Halse geschafft. Er strengte mich zusehr an." (Mühsam, Tagebücher, H. 10) So endet diese Freundschaft wie kurz darauf Mühsams Engagement für die Gruppe "Tat“: "In der Gruppe Tat kam es Montag zu einem kleinen Eclat. Herr Franz Jung begann erst wüst über Landauer zu schimpfen, und dann auch meine Tätigkeit einer Kritik zu unterziehn. Kindler unterstützte ihn dabei. Ich erklärte, keine Lust zu haben, immer nur im Anklagezustand an den Verhandlungen der Gruppe teilzunehmen und forderte die Kritiker auf, alles was sie von mir verlangten, selbst zu tun. Ich sei nicht die Gruppe und strebe die Autorität nicht an, die man mir dort oktroyieren wolle. Darauf wurde mir berichtet, es sei von vier, fünf Seiten erzählt worden, ich hätte gesagt, ich ginge jetzt nur deshalb so selten zu den Gruppensitzungen, um meine Autorität zu stärken. Ich wies das sehr energisch zurück und erklärte den Urheber des Gerüchts für einen infamen Verleumder. Als Jung dann nochmal darauf zurück kam und ich aus seinen Worten heraushörte, daß er immer noch an die Wahrheit der Erzählung glaubte, erklärte ich, mit dieser Gruppe, der es an der ersten Voraussetzung: Solidarität untereinander so gänzlich fehle, nicht weiter arbeiten zu können und daß ich nicht wiederkommen werde. Darauf ging ich.“ (Mühsam, Tagebücher, H. 10, 17. Oktober 1912)

Im Februar 1913 zieht Gross nach Berlin, am 9. November wird er in der Wohnung von Franz Jung verhaftet, ausgewiesen und unter polizeilicher Bedeckung an die österreichische Grenze gebracht, dort von Beamten abgeholt und auf Veranlassung des Vaters in der Privat-Irrenanstalt Tulln bei Wien interniert.

Am 10. Januar 1914 wird Mühsams "Kain“ dazu Stellung nehmen ("Der Fall Groß“), wie er auch an anderer Stelle sein Verhältnis zu Gross reflektiert: "Die allgemeinen Aufstellungen der Psychoanalytiker - Dr. Otto Gross - über das Wesen der Eifersucht und den Zwangscharakter der Vaterschaftsfamilie kamen meinen Ideen darüber ganz nahe, ohne sie indessen in ein Gesamtbild künftiger Gesellschaftsgestaltung [ganz im Gegensatz zu Gross selbst] einzuordnen. Für mich selbst gehörte die Befreiung der Persönlichkeit von den gewaltigen Bindungen des Liebeslebens von jeher als organischer Bestandteil in das Programm der Befreiung der Menschheit von jedem knechtischen Druck, und ich habe das Thema, das ich übrigens schon 1909 in einem 'polemischen Schauspiel', Die Freivermählten, erörtert, um sichtbar zu machen, wie eng zusammengehörig in mancher Hinsicht der leidenschaftliche Kampf um neue Lebensgestaltung der ganzen künftigen Menschheit und die natürliche Haltung ihrer Zeit kulturell zuvorkommender Menschen in ihrer geselligen Fröhlichkeit sein kann.“ (Mühsam, Frank Wedekinds letzte Jahre, o.S.)

Dabei sind die Auffassungen beider wie man sie sich gegensätzlicher kaum vorstellen kann - gerade angesichts des im Herbst 1914 ausbrechenden Krieges. Während Mühsam räsoniert "Und es ist Krieg. Alles Fürchterliche ist entfesselt. Seit einer Woche ist die Welt verwandelt. Seit drei Tagen rasen die Götter. Wie furchtbar sind diese Zeiten! Wie schrecklich nah uns allen der Tod!“ (Mühsam, Tagebücher, H. 11, 3./4. August 1914) ordnet Gross das Ereignis nach eigener Logik ein: "Der Krieg wird mit dem ganzen Schwindel aufräumen. Hurra, der Krieg ist da! Na endlich!' Dr. Hoch (d.i. Otto Gross) strich um das Billard, bewies, mit dem Billardstock schneidig durch die Luft fahrend, die Notwendigkeit eines deutschen Einmarsches in Belgien, schulterte den Billardstock … 'Der Krieg als der gewaltigste psychische Befreiungsakt der Menschheit, die heilsamste Massenentfesselung aller Komplexe ... .“ (Becher, Abschied, S. 376)

Man könnte meinen, dass das Revolutionsjahr 1918 Gross und Mühsam wieder zusammenführt. Von Gross heisst es, er habe am 2. November 1918 in Wien bei einer Zusammenkunft "ziemlich weit draußen im siebenten Bezirk" für sich ein "Ministerium zur Liquidierung der bürgerlichen Familie und Sexualität" gefordert. Und tatsächlich finden wir am 7. April 1919 - dem Tag der Ausrufung der Münchener Räterepublik - auch einen Hinweis für einen Kontakt zwischen den Protagonisten: Es ist ein Brief von Guste Ichenhäuser, gerichtet an Dr. Felix Noeggerath, in dem es heisst: "Nachdem Mühsam 
in der Angelegenheit des Dr. Groß=Graz mit Ihnen, sehr geehrter Herr Dr.
 gesprochen, versuchte Frl. Kuh mehrmals vergeblich, Sie zu treffen.“ (Dehmlow u. Mader, Ein Brief kommt nicht an - die Botschaft bleibt erhalten: Otto Gross und die Münchener Räterepublik, S. 495)

Es gibt keine Anhaltspunkte für die Ermittlung der Inhalte der Gespräche. Und doch ist die Vermutung nicht weit hergeholt, wenn wir annehmen, dass Gross in München das gleiche Anliegen verfolgt wie im Vorjahr in Wien. Entgegen der Programmatiken der Revolutionäre verfolgt er weitergehende Ziele, die für die Parteigänger - sicher auch für Landauer und Mühsam - schwer verdauliche Kost darstellen: „Es wird die latente unbewusste Psychologie des Familienlebens aufzuzeigen sein, die Qualifizierung des Besitzanspruchs an Weib und Kind als Teilhaftigkeit und Mitschuld an den Werten und Institutionen des Bürgertums und Fixierung bourgeoisen Charakters, bourgeoiser Anpassungen und Befriedigungen, die Notwendigkeit der Sabotage der Familie, vor allem der proletarischen, als Grundbedingung und psychologische Grundlage der Aufnahmefähigkeit für den Geist der Revolution.“ (Gross, Zur funktionellen Geistesbildung des Revolutionärs, S. 69)

Gustav Landauer wird am 2. Mai 1919 im Gefängnis Stadelheim von Freikorpssoldaten ermordet. Das Prager Tagblatt bringt am 22. Februar 1920 eine Nachricht zum Tode von Otto Gross. Demnach ist der "in Literatenkreisen bekannte Schriftsteller (...) vor einigen Tagen in Berlin gestorben." Gross sei "des Giftmordes an seiner Frau angeklagt" gewesen. An den Revolutionstagen in München habe er "an der Seite der kommunistischen Bewegung (...) an der Seite der ihm nahestehenden Führer Mühsam und Landauer" teilgenommen.

Eduard Schiemann ist 1920 in Russland und löst - wenn man so will - Gross' Vermächtnis ein, das dieser wie folgt formuliert: "Es ist das unfassbar große Ereignis der Gegenwart, daß dieser Geist das gesamte russische Volk zu durchdringen vermocht hat. In diesem Geist ist die Revolution, sind die Verteidigungskriege der Russen zum Siege gekommen; das ist der Geist, in welchem ein Volk, das das Herrlichste jemals auf Erden Gewesene zu verlieren hat, und darum weiß, 'mit furchtbarem Mut', wie die Gegner berichten, die Grenzen verteidigt, während im Schutz dieses Ringes die Genialität dieser Rasse und ihrer größten Menschen sich für den Dienst des einen erhabenen Werkes vereinigt hat: der Bereitung der Zukunft für die Kinder, die Schaffung freien Lebens und freier Kultur für die keimende Generation.

In unseren Ländern überall fehlt dem Revolutionär die Erkenntnis, daß nicht der Besitzer des Kapitals, sondern der an der Macht befindliche Typusmensch zu bekämpfen ist.“ (Gross, Zum Solidaritätsproblem im Klassenkampf und Themen der revolutionären Psychologie, S. 416-417)

Der "harte Kern“ der Gross'schen Revolutionstruppen (gruppiert um die "Freie Straße“, von der noch zu reden sein wird) ist auch nach seinem Tod unterwegs und versucht auf verschiedene Art und Weise seine Ideale einzulösen.

Eduard Schiemann ist gerade dem Berufsverband Bildender Künstler beigetreten. Die biographische Lücke zu seinem Ausflug nach Monte Carlo ist schnell geschlossen:

Eduard Schiemann hat nicht nur als Maler Talent. Er ist sprachbegabt und ein versierter Kenner der russischen Literatur. 1913 übersetzt er Alexej Tolstoj’s Werk “Kindliche Weisheit“ ins Deutsche und macht sich damit als Übersetzer einen Namen. Schon im darauffolgenden Jahr werden seine Übersetzungen weiterer, namhafter russischer Autoren (Michail Arcybasev, Volodimir Vinnicenko und erneut Tolstoj) publiziert. Er heiratet die Malerin Elsa Specht, die wie er selbst - zusammen mit Oskar Maria Graf, Otto Gross, Max Herrmann-Neisse, Cläre Oehring und ihrem Mann Richard sowie Georg Schrimpf - an der 1915 begründeten Zeitschrift "Die freie Straße“ mitarbeitet, die von Franz Pfemfert finanziert wird.

Die programmatische Zielsetzung wirkt bekannt: Das erklärte Ziel der Zeitschrift ist die Vorarbeit zur Neuordnung der Beziehung, womit sowohl die persönlichen, freundschaftlichen wie sexuellen, als auch die Gesamtheit der gesellschaftlichen Beziehungen gemeint waren, Revolution eben im umfassenden Sinne.

Am 1. September 1916 kommt der gemeinsame Sohn Heinrich zur Welt, der - vielleicht vom ersten Lebensjahr abgesehen -, später nie mehr in persönlichen Kontakt zum Vater kommen wird. Setzen die Schiemanns hier die Gross’sche Idee um, nach der erst die nachkommende Generation imstande ist, sich vom Schmutz der Vaterrechtsgesellschaft zu befreien, eine Idee, die zur konsequenten Folge hat, dass die Kinder in die Obhut der Gemeinschaft gegeben werden? Sicher ist, dass zwar die künstlerische Gemeinsamkeit der Schiemanns groß - gern wählen beide ungewöhnliche Materialien zur Präsentation ihrer neuen Ästhetik, sie bemalt Geschirr, er Schals und Hausmäntel -, die Dauer der Beziehung allerdings nur kurz gewesen ist. Eduard Schiemann verlässt Deutschland in Richtung Russland, quasi am Vorabend der Oktoberrevolution. Es mag ein besonderes Gefühl für ihn gewesen sein, in das Land zurückzukehren, in dem er geboren wurde, in der Gewissheit, dass dort nun in nicht ferner Zukunft die eigenen Ideale der Verwirklichung entgegensehen.

In Moskau pflegt er die Bekanntschaft mit Wassily Kandinsky, den er vermutlich schon in München kennen gelernt hat, Wladimir Majakowski, Boris Pasternak und Viktor Schklowski, fertigt weiter Schals und Hausmäntel, die sich in den teureren Geschäften Moskaus gut verkaufen lassen. Er wird Leiter einer Zeichenschule für Kinder des Eisenbahner-Rayons und ist im November/Dezember 1917 mit neun Arbeiten, "Kompositionen" betitelt, an einer Ausstellung der Gruppe “Bubnovyj Valet” (Karo-Bube) beteiligt. Auch wenn sie sich kurz danach auflöst, führt sie in der Zeit ihrer Existenz (1910 - 1917) alle bedeutenden russsischen Künstler der Periode zusammen und dokumentiert auf eindrucksvolle Weise den starken Einfluss des Kubismus, Futurismus, des Expressionismus und der Fauves.

Mit Majakowski findet Eduard Schiemann bald darauf eine neue und zeitgemäße künstlerische Ausdrucksform. Beide sind für die Nachrichtenagentur “Rosta” der jungen Sowjetrepublik aktiv: dabei fertigt Schiemann Linolschnitte nach Zeichnungen Majakowski’s für die so genannten “Rosta-Fenster”, in Handarbeit hergestellte übergroße Propaganda-Plakate, die zur Aufklärung der Bevölkerung über die Ziele der Revolution dienen.

Er schließt Bekanntschaft mit der erst 23-jährigen Elena Liessner, die nachhaltig von ihm beeindruckt ist. Sie zieht zu ihm in sein Atelier. In Liessners autobiographischen Aufzeichnungen finden wir die Angaben von Franz Jung über ein Zusammentreffen mit Schiemann bestätigt: "Franz Jung, der deutsche Anarchist, war damals mit einem gekaperten Schiff voller Lebensmittel nach Murmansk gekommen. [Jung kam am 30. April 1920 in Murmansk an.] Mit ihm wollte Schiemann nach Deutschland. Als er sich einen Monat später auf der Straße von mir verabschiedete und wirklich nach Berlin fuhr, übernahm ich sein Atelier und die Kinder [des Rayons, Ergänzung R.D.].“ (Liessner, Aus meinem Leben, S. 48)

Im Juni 1920 in Berlin angekommen, hat Schiemann wenig Mühe, in der Reichshauptstadt Anschluss zu finden. Er lebt mit Bibiana Amon zusammen und ist im eigenem Atelier künstlerisch tätig. Laufende Übersetzungsarbeiten, mit denen ihn die sowjetische Handelsgesellschaft, die Komintern und das Volkskommissariat für Schwerindustrie der Sowjetunion beauftragen, dürften allerdings die Basis für seine materielle Existenz dargestellt haben. 1921 wird die häusliche Gemeinschaft durch Elena Liessner ergänzt, die aus Moskau zuzieht, vorübergehend vervollständigt die Schiemanns Mutter Franziska die Wohngemeinschaft. Elena Liessner ist Chronistin dieses Lebensabschnitts: "Natürlich hatte Schiemann inzwischen eine neue Freundin. Sie hieß Bibiana Amon. Er schnupfte Kokain und hatte kein Geld. Es war der Beginn der Inflation. Ich brachte zehntausend Mark mit, die nach Schimmel rochen, weil meine Mutter sie in einer Blechbüchse vergraben hatte. Diese zehntausend Mark legte ich in Schiemanns Atelier, Kaiserallee 64, auf den Tisch – und wir lebten zu dritt bei nicht enden wollenden psychoanalytischen Gesprächen, mit nicht enden wollenden Konflikten. Aber wir lebten - und ich lernte, nicht nur alle psychoanalytischen Begriffe wie 'ich assoziiere' - das wurde bei uns zur stehenden Redensart.“ (Ebenda)

Nach einer Unterbrechung von neun Jahren wendet sich Schiemann 1923 wieder der Übersetzung russischer Prosa zu. Es erscheinen Werke von Pavel Dybenko, Vsevolod Ivanov und Jurij Libedinsky, die ihn als Übersetzer ausweisen. Er heiratet zum zweiten Mal - die 1894 geborene Russin Elena. Die Jahre 1924-1925 dürften im Leben Schiemanns als gravierend und besonders in beruflicher Hinsicht hoch befriedigend gewesen sein: ihm wird die Übersetzung der Briefe Lenins an Maxim Gorki wie die von Larissa Reissner’s “Die Front” anvertraut und wird 1925 erneut Vater eines Sohnes, Alexander, Sascha genannt.

Doch all dies scheint das Paar nicht wirklich zu befriedigen: Es verlässt Russland und reist nach Berlin, sucht Elena Liessner auf, die inzwischen Albrecht Blomberg geheiratet hat, und veranlasst beide, zusammen mit den Kindern nach Swinemünde zu reisen. Dort will man mit Roulettespiel im nahegelegenen Zoppot die Mittel erwerben, um ein neues Ziel zu realisieren: die Weltumseglung mit einer Yacht! Während die Männer dem Erfolg im Glücksspiel nachjagen, versorgen die zurückbleibenden Frauen, zu denen sich bald auch Bibiana Amon und Schiemann’s Mutter gesellen, die Kinder und betreiben ein Heim für die Kinder der Angestellten der sowjetischen Handelsgesellschaft.

Schiemanns todsicheres System versagt ein weiteres Mal, die Familie kehrt in die Sowjetunion zurück. Das Jahr 1926 beschert Schiemann dann allerdings wieder einen Volltreffer, wenn auch als Übersetzer: neben Bykov und Larissa Reissner steht Lew Davydovich Trockij und dessen “Europa und Amerika” auf seiner Agenda.

Am Ende der Zwanziger und zu Beginn der Dreißiger Jahre erleben wir Eduard Schiemann wieder in enger literarischer Verbindung mit den in Deutschland lebenden Expressionistenkreisen: 1929 erscheint “Der eiserne Strom” in neuer Ausgabe, zusammen mit Neverov’s “Taschkent, die brotreiche Stadt“, von Maria “Marie“ Einstein-Schaefer übersetzt. Die Redaktion der 1933 von Schiemann besorgten Übersetzung von Michail Scholochow’s “Neuland unterm Pflug“ übernahm Herwarth Walden, Anne Bernfeld betreute Furmanow’s “Tschapajew”, 1934 gleichfalls von Schiemann übersetzt.

Doch da sind längst andere Zeiten angebrochen: in Deutschland triumphiert der neue (Nazi-)Mensch, in Russland der Stalinsche Terror, die offenen Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Russland lösen sich auf. Schiemann arbeitet als Übersetzer für das Volkskommissariat für Schwerindustrie, auch bei den deutschen Firmen Krupp und Demag in Düsseldorf. Vor dort wird er 1935 eilends nach Russland abberufen, angeblich steht seine Verhaftung als russischer Spion ins Haus.

Der Moskauer Prozess gegen das so genannte “sowjetfeindliche trotzkistische Zentrum”, der vom 23. bis zum 30. Januar 1937 veranstaltet wird und vor allem ein Verfahren gegen das Volkskommissariat für Schwerindustrie war (für das Schiemann arbeitet), wirft böse Schatten auf den weiteren Lebensweg Schiemanns und seiner Familie: Der Prozess endet mit der Erschießung des Stellvertretenden Kommissars, Georgi Pjatakow, und dem mysteriösen Tod des Leiters Sergo Ordschonikidse am 18. Februar 1937, sowie der Liquidierung und Verfolgung zahlloser Gefolgsleute.

Am 5. Juli 1941, zwei Wochen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, wird Eduard Schiemann in seiner Wohnung in Moskau verhaftet und der Spionage beschuldigt, die drohende Verhaftung seinerzeit in Deutschland wird vom NKWD als Provokation der Nazis interpretiert, denen es so gelang, ihn als Spion nach Russland einzuschleusen. Er wird - da Moskau als Kriegsgebiet gilt - nach Omsk verbracht und dort am 23. Dezember 1941 zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er stirbt am 16. März 1942 in einem russischen Lager. Über den Verbleib der Angehörigen ist nichts bekannt.

 

Und Moses blickte ins gelobte Land (Erich Mühsam) - Erich Mühsam: Wüste - Krater - Wolken. 1914

 

Resümee

Es ist die Strahlkraft von Ideen, die Menschen umtreibt und Veränderungen schafft. Die Vorstellungen von Otto Gross und Erich Mühsam erwiesen sich für eine Zeitlang als kompatibel und gerieten dort an ihre Grenzen, wo sie einander überforderten. Die Grundhaltung von Gross, die auf einer komplexen wissenschaftlichen Vorstellung beruhte und die radikale Umgestaltung sowohl des Selbst wie des ihn umgebenden Umfelds zum Ziel hatte, erwies sich in beiderlei Hinsicht als Überforderung. Menschen, die sich in seinem Sinne einzeln oder im Kollektiv zu erziehen versuchten - wie Eduard Schiemann dies nicht ohne Erfolg tat - scheiterten nicht zuletzt deshalb, weil eine gesellschaftliche und politische Wirkung zu ihren Lebzeiten nicht erreicht werden konnte und restaurative und terroristische Elemente die Oberhand behielten.


Literatur

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  • Beyme, Klaus von: Sozialismus: Theorien des Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus im Zeitalter der Ideologien 1789 – 1945. Wiesbaden: Springer, 2013
  • Buber, Martin: Gustav Landauer - sein Lebensgang in Briefen. Bd 1. 2. Rütten & Löning, 1929
  • Dehmlow, Raimund u. Rolf Mader: Ein Brief kommt nicht an - die Botschaft bleibt erhalten: Otto Gross und die Münchener Räterepublik. In: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, 2001, No. 16, S. 495-502
  • Delabar, Walter: "Genug geschwärmt! Genug geträumt!“ Revolutionäre Theorie und Poetologie bei Erich Mühsam. In: Grave, Jaap, Peter Sprengel u. Hans Vandevoorde (Hrsg.): Anarchismus und Utopie in der Literatur um 1900. Deutschland, Flandern und die Niederlande. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2005, S. 159-171
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  • Gross, Otto: Zur funktionellen Geistesbildung des Revolutionärs, in: Räte-Zeitung. Bd. 1. 1919, Nr. 52, S. 69)
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  • Landauer, Gustav u. Fritz Mauthner: Briefwechsel 1890 – 1919. München: Beck, 1994
  • Leder, Tilman: Die Politik des Antipolitikers. Eine politische Biographie Gustav Landauers. Ausgewählte Schriften Bd 10. Lich: Edition AV, 2014
  • Linse, Ulrich: Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. Berlin: Dunker & Humblot, 1969
  • Mühsam, Erich: Gegen das Vergessen. Ausgewählte Werke und Schriften. AuraBooks eClassica, 2013
  • Mühsam, Erich: In meiner Posaune muß ein Sandkorn sein. Briefe 1900 - 1934. Bd. 1.2. Hrsg. Gert W. Jungblut. Vaduz: Topos, 1984
  • Mühsam, Erich: Tagebücher. Bd. 1. 1910-1911. Hrsg.: Chris Hirte u. Conrad Piens. 2. Aufl. Berlin: Verbrecher-Verl., 2011
  • Mühsam, Erich: Tagebücher. Bd. 2. 1911-1912. Hrsg.: Chris Hirte u. Conrad Piens. Berlin: Verbrecher-Verl., 2012
  • Mühsam, Erich: Tagebücher 1910-1924. München: dtv, 1994
  • Müller, Hermann: Feuertanz und Orgie. Otto Groß, Gusto Gräser, C. G. Jung und der Monte Verità von Ascona. Freudenstein: Deutsches Monte Verità Archiv, 1998
  • Schiller, Dietmar: Rebellion als Lebensform: Erich Mühsam. In: Das Blättchen. 15. Jg., Nr. 9, 30. April 2012
  • Schütte, Uwe: Zwischen Pazifismus und Gewalt. Zur Genese der Anarchistischen Utopie bei Erich Mühsam. In: Zagreber Germanistische Beiträge Bd. 21. 2012, S. 1-20
  • Szeemann, Harald: Monte Veritá - Berg der Wahrheit. Milano: Electa, 1978
  • Wolf, Gerhart, Jürgen Rennert u. Werner Schmidt: Elena Liessner-Blomberg oder Die Geschichte vom Blauen Vogel. Berlin: Buchverl. Der Morgen 1978

"Ich mag alles, was nicht so viel quatscht."

King Benny (Vittorio Gassman) in "Sleepers" (USA 1996)