Stolpersteine jetzt auch in Obernkirchen

Nach Bad Nenndorf, Beckedorf, Bückeburg, Rinteln und Stadthagen finden sich nun auch in der Bergstadt Obernkirchen Stolpersteine, die an das Schicksal von Familien jüdischer Herkunft erinnern, die dem nationalsozialistischen Terrorregime zum Opfer fielen.
 
Am 1. Juli 2015 wurden von dem Initiator der Aktion, dem Künstler Gunter Demnig, 18 Gedenksteine an verschiedenen Orten der Stadt verlegt, ein weiterer soll in der Friedrich-Ebert-Straße hinzukommen, wo die Gebrüder Lion, die zu den Opfern gehörten, ein Textilkaufhaus betrieben.

An die Familien selbst erinnern schon jetzt Steine vor dem Haus Lange Straße 22, wo Elias Lion, seine Frau Anna, geborene Bloch, und die Töchter Edith und Ruth mit Annas Mutter, Johanna Bloch, wohnten. Wie die ganze Familie aus der Wohnung vertrieben, starb Johanna Bloch im so genannten "Judenhaus" in der Strullstraße im April 1940 an einer Lungenentzündung. Elias Lion, noch 1930 zum Vorsitzenden des Obernkirchener Handels- und Wirtschaftsvereins gewählt, wurde im März 1942 mit seiner Familie in das KZ-Außenlager Hannover-Ahlem abtransportiert. Dort erlitt er einen Schlaganfall und starb - zurück in Obernkirchen - dort am 1. Juni 1942. Die Ehefrau und beide Töchter wurden Ende Juni 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo Anna Lion im Mai 1943 an den Folgen einer Typhus-Erkrankung starb. Die Töchter, zunächst ins Frauenarbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, später in das KZ Bergen-Belsen, starben dort unmittelbar vor der Befreiung des Lagers am 15. April 1945.
 
An die Familie von Leopold Lion, Frontsoldat im 1. Weltkrieg und Vorsteher der jüdischen Gemeinde, die Ehefrau Karola, geb. Adler, und die Kinder Ernst und Ursula, die am Kirchplatz 2 wohnte, erinnern vier weitere Stolpersteine. 
 
In der Lange Straße Nr. 9 wird an die Familie Paul Adler erinnert, die dort ein ebenfalls gutgehendes Textilkaufhaus führte. Zur Familie gehörte neben Paul Adler die Ehefrau Gertrud, geb. Philippsohn, und der Sohn Erich, denen im März 1940 die Emigration in die USA gelang.
 
An die Familien Max und Martin Schönfeld erinnern Stolpersteine unter der Adresse Sülbecker Weg 22, damals noch Rösehöfe 7. Die Familie Max Schönfeld wurde schon im Dezember 1940 über Bückeburg und Bielefeld in das berüchtigte Reichsghetto Riga deportiert. Dort verliert sich die Lebensspur von Max Schönfeld. Das Schicksal von Frieda Schönfeld, geb. Herzberg, und der Tochter Lydia ist noch ungeklärt. Martin Schönfeld konnte mit der Ehefrau Frieda, geb. Hammerschlag, und dem Sohn Manfred nach Argentinien fliehen.

Weitere Informationen: www.stolpersteine-obernkirchen.de/


Wem einmal das Rückgrat gebrochen wurde

Der ist kaum dazu zu bewegen

Eine aufrechte Haltung einzunehmen

Denn die Erinnerung

An das gebrochene Rückgrat

Schreckte ihn.

(Johannes R. Becher, Aus dem Nachlass)