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Name:
Maßmann, Walter
Geboren:
1888, Segeberg
Bio:
Zeichen- und Turnlehrer, Kunstmaler. Mitglied der SPD, seit 1931 der KPD. Nach dem Examen an der Kunstgewerbeschule Hamburg unterrichtete er seit 1912 an verschiedenen höheren Schulen, zuletzt in Preußisch Friedland. 1930 wurde er wegen „Vornahme unzüchtiger Handlungen“ zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Das bedeutete das Aus für seine berufliche Laufbahn. Nach seiner Entlassung im März 1932 sah er offenbar keinen anderen Ausweg, als auf illegale Weise in die UdSSR zu gehen. Er buchte zusammen mit seiner Ehefrau Erna (geb. 1910 in Fürstenberg) eine Russland-Reise und blieb danach ohne gültiges Visum und ohne offizielle Genehmigung der KPD im Land. Als Illegaler hatte Maßmann allerdings nur eine geringe Chance, nachträglich von den verschiedenen Kontrollgremien der Partei, dem Exekutivkomitee der Komintern und der Internationalen Roten Hilfe in der UdSSR als politischer Emigrant anerkannt zu werden. Möglicherweise verschwieg er in dem entsprechenden Fragebogen die Haftgründe. Er fand Arbeit als Ausstatter am Deutschen Theater in Engels (Wolgadeutsche Republik). An diesem Ort, der zu der Zeit eher einem größeren Steppendorf als einer Hauptstadt glich, musste er nicht lange bleiben. Seit Ende des Jahres 1932 wurde er als Zeichenlehrer an der deutschen Karl-Liebknecht-Schule in Moskau beschäftigt.. Das Ehepaar wohnte in der uliza Bolschaja Potschtowaja 18. Maßmann, der vor seiner Verhaftung in Deutschland einen modernen Unterricht abgehalten hatte, etwa mit der Einrichtung einer Foto-Arbeitsgemeinschaft, regte seine Klassen an, alltäglich Beobachtetes zu zeichnen. So entstanden zum Beispiel Bilder, auf denen die allgegenwärtigen Einkaufsschlangen zu sehen waren. Dies überstieg die Toleranz der sowjetischen Schulkontrolleure. Maßmann erhielt eine scharfe Rüge. Er unterminiere das Ansehen eines sozialistischen Landes. 1934 entließ man ihn „wegen seiner unglücklichen Veranlagung“, wie Max Hoelz in seinem Tagebuch notierte. Beim Moskauer Verlag für Lehrbücher und pädagogische Fachschriften fand Maßmann bis zu seiner Verhaftung Arbeit als Buchgestalter. Maßmann wurde 1937 verhaftet, zum Tode verurteilt und in Butowo in einem Massengrab auf dem Friedhof des Moskauer Klosters Donskoje verscharrt.
Web:
www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_28/03_Dettmer.pdf
Tod:
Literatur:
Dettmer, Frauke: „Und niemand wird übrigbleiben“. Emigranten aus Schleswig-Holstein in der stalinistischen Sowjetunion. In: Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein 28. Malente: Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, 2017, S. 169, 171, 178, 183