Die Jahre 1906 bis 1909 im Leben von Otto Gross und Frieda Weekley

 

  1906
  Frieda und Otto Gross begeben sich nach Ascona, Otto Gross macht den Versuch einer Entwöhnung (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 116f.)
21. April Selbstmord Lotte Hattemers in Ascona unter Beihilfe von Otto Gross und in Anwesenheit von Johannes Nohl (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 302; Green, Mountain of Truth, S. 131)
13. Mai Erich Mühsam schreibt an Siegfried und Charlotte Mühsam: " ... Von Wien aus werde ich, wenn es irgend geht, für ein bis zwei Tage nach Graz hinüberfahren, wo ich nicht nur von den Verwandten, sondern auch von einem Privatdozenten der Medizin eingeladen bin, der mir eine, meiner Meinung nach, sehr bedeutende Arbeit im Manuskript zur Begutachtung hergeschickt hat, die sich mit psychophilosophischen Theorema beschäftigt. Ich lernte den Herrn im vorigen Jahr hier [Der Brief stammt aus Ascona, d. Hrsg.] kennen und wir haben uns dann angefreundet" (Mühsam, In meiner Posaune muß ein Sandkorn sein, S. 64)
23. Juni Erteilung der Privatdozentur an der Universität Graz für das Fach Psychopathologie an Otto Gross (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 302)
September Umzug von Frieda und Otto Gross nach München (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 302; Green, Else und Frieda, die Richthofen-Schwestern, S. 50), Otto Gross arbeitet als Assistenzarzt bei Kraepelin
  Frieda Gross, die gerade ein Kind erwartet, lädt Else Jaffé, mit der sie gemeinsam im Internat der Schwestern Blaß in Littenweiler (bei Freiburg) gewesen war, zu sich ein. Else Jaffé und Otto Gross gehen eine Liebesbeziehung ein (Green, Else und Frieda, die Richthofen-Schwestern, S. 50; Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 117)
  Frieda Weekley gibt in England Bechsteins Märchen heraus

 

  1907
Frühjahr Otto Gross besucht Else und Edgar Jaffé (1866-1921) in Heidelberg, dort trifft er auch Max Weber (Mommsen u. Schwendtker, Max Weber und seine Zeitgenossen, S. 662; Green, Else und Frieda, die Richthofen-Schwestern, S. 72)
  Frieda Gross schreibt an Else in Heidelberg und spricht von ihr (Else) und Otto Gross als "you beloved pair" (Green, Mountain of Truth, S. 34)
31. Januar Frieda Gross bringt ihren Sohn Wolff (Wolfgang) Peter (gest. am 21. 9. 1946 in Davos) zur Welt.
  Else ist ebenfalls von Otto Gross schwanger und bringt im gleichen Jahr ihren Sohn, der gleichfalls Peter hieß, zur Welt (gest. 15. Oktober 1915), Max Weber wird Pate von Peter Jaffé (Weber, Max Weber, S. XXX)
  Frieda Gross schreibt an Else nach Heidelberg, "that she has signed a pact of perfect freedom with Otto" (Green, Mountain of Truth, S. 28)
  Frieda Weekley reist allein nach München. Auch Else, die noch in Heidelberg wohnt, ist in München und wohnt bei Frieda und Otto Gross
  Frieda Weekley lernt Ernst Frick und Franziska von Reventlow kennen, Otto Gross wird ihr Liebhaber (Lucas, Frieda von Richthofen, S. 52f.)
  Frieda Gross schreibt an Else "that she was glad to be separated from 'our lad' (unser Bub) for a while, because he was so demanding" (Green, Mountain of Truth, S. 29). Frieda Weekley kehrt nach Nottingham zurück. Nach ihrer Rückkehr sagt eine ihrer Töchter zu ihr: "Du steckst in der Haut unserer alten Mutter, aber du bist nicht die Mutter, die von uns weggegangen ist" (Lucas, Frieda von Richthofen, 54)
  Beginn des Briefwechsels zwischen Otto Gross und Frieda Weekley
20. Mai Frieda Weekley schreibt an Edgar Jaffé: "... Ich bin sehr glücklich und kann mich jetzt erst meiner ganzen Liebe erfreuen. Ich versprach, alle Briefe aus München zu verbrennen, aber ich kann es nicht tun. Entbinde mich von meinem Versprechen, ich muß noch etwas haben. Aber ich bin trotzdem sehr vorsichtig" (Lucas, Frieda von Richthofen, S. 54; Lawrence, Memoirs and Correspondence, S. 89)
28. Mai Erich Mühsam schreibt am Freud und bedankt sich für die Heilung von einer schweren Hysterie durch Freud's Schüler Dr. Otto Gross (Mühsam wohnt zu dieser Zeit in München, Türkenstr. 81/II)
  Otto Gross veröffentlicht Das Freud'sche Ideogenitätsmoment, auf das Jung Freud am 28. 6. 1907 hinweist
1. Juli Freud schreibt an Jung: "(...) Darin [in den im Text der Schrift enthaltenen Superlativen, Anm. d. Hrsg.] zeigt sich wohl das abnorme Gefühlsleben von Groß, von dem Sie mir Mitteilung gemacht haben" (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 76)
2.-7. September Amsterdamer Kongreß für Neuro-Psychiatrie; Otto Gross verteidigt dort die Hysterielehre Freuds, auch Jung nimmt an dem Kongress teil, Gross wohnt vom 1. - 10. 9. im Hotel de l'Europe, Doelenstraat, in dem auch Jung absteigt
  In Amsterdam treffen sich Else und Edgar Jaffé, Frieda Weekley und Otto Gross, die aus Nottingham anreist. Otto Gross begleitet Frieda Weekley auf der Fähre nach England und kehrt dann zurück (Green, Else und Frieda, die Richthofen-Schwestern, S. 70; Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 117; Lucas, Frieda von Richthofen, S. 54)
13. September Max Weber begründet in einem Brief an Else Jaffé die Ablehnung einer Zuschrift von Otto Gross an das »Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik« (Baumgarten, Max Weber, S. 644-48)

 

 

  1908
  Die Jaffés ziehen nach München um (Weber, Max Weber, S. 372)
26.-27. April In Salzburg findet die Zusammenkunft der Psychoanalytiker statt, später als 1. Internationaler Kongreß bezeichnet (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 643), Frieda und Otto Gross nehmen teil (Adresse zu dieser Zeit: München, Mandelstr. 1d/I)
3. Mai Freud schreibt an Jung: "Jones will sich nach München begeben, um den Groß Hilfe zu leisten. Die kleine Frau scheint sich energisch in ihn verschaut zu haben. Er sollte nicht auf seine Forderung eingehen, die Frau zu behandeln, sondern auf ihn Einfluß zu gewinnen suchen" (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 162; Jones, Free Associations, S. 251)
6. Mai Freud erstellt ein ärztliches Zeugnis für Otto Gross und überstellt ihn an das Burghölzli in Zürich. "Anbei das Zeugnis für Otto Groß. Wenn Sie ihn haben, lassen Sie ihn nicht vor Oktober, wo ich ihn übernehmen kann, aus" (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 163)
11. Mai Otto Gross beginnt mit einer zweiten Entziehungskur im Burghölzli (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 139), die erste unternahm er dort bereits 1902 (Hurwitz, ebda, S. 135)
14. Mai Jung schreibt an Freud: "Ich schreibe jetzt nur ganz kurz, weil ich jetzt Groß bei mir habe ..." (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 167)
25. Mai Otto Gross unterzieht sich einer Analyse bei C. G. Jung. Jung schreibt an Freud: "Heute habe ich den ersten Ruhetag, denn gestern habe ich die Analyse beendet" (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 170). Freud antwortet: "Übrigens wundere ich mich über das Tempo der Jugend, die in zwei Wochen solche Aufgaben erledigt, bei mir hätte es länger gedauert" (Freud/Jung, Briefwechsel, S. 171). Abbruch der weiteren Behandlung durch die Flucht von Otto Gross aus der Anstalt am 17. Juni ("Vorgestern ist Groß (...) entflohen" (Freud/Jung, S. 173). Anschließend Verzicht von Otto Groß auf die Privatdozentur in Graz
18. Juli Camilla Ullmann, gemeinsame Tochter von Regina Ullmann (1884-1961) und Otto Gross wird geboren. Regina Ullmann war seit 1907 bei Gross Patientin (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 140)
10. Oktober Otto Gross' Elterngewalt erscheint in der »Zukunft« Maximilian Hardens. Otto Gross setzt sich darin für die Freilassung einer seiner Patientinnen, Elisabeth Lang, der Tochter eines Münchner Bildhauers und Malers, aus der Tübinger Psychiatrischen Klinik ein
  Gustav Landauer schreibt an Margarete Faas-Hardegger: "(...) als ich in der Zukunft las, was da von dem Mädchen, das jetzt in der Irrenklinik ist, berichtet wird. Denn das ist doch Dein Mädchen [gemeint ist Elisabeth Lang], das Du zu Dir nehmen wolltest" (Buber, Gustav Landauer - sein Lebensgang in Briefen, S. 217f.)

 

 

  1909
  Else Jaffés Sohn Hans wird geboren
  Gemeinsam mit Ernst Frick besucht Otto Gross die Eltern in Graz (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 303)
  Otto Gross veröffentlicht Über Psychopathische Minderwertigkeiten
Oktober Nach der Wiener Tagung des Vereins für Sozialpolitik treffen Marianne und Max Weber mit den Jaffés Frieda Gross in Graz, gemeinsam fahren sie nach Triest. Marianne Weber reist allein nach Heidelberg zurück, die anderen reisen gemeinsam nach Venedig (Weber, Max Weber, S. XXXI)
 

Frieda Gross lebt in Ascona zusammen mit Ernst Frick (Hurwitz, Paradies-Sucher, S. 118)

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Wenn ein Dummkopf einen Stein in den Garten wirft,
können ihn tausend Weise nicht entfernen.

(zit. nach Joseph Roth, Brief an Arnold Zweig vom 28. August 1934)