Am 10. Juni dieses Jahres hatte ich das Vergnügen, eine Gruppe Medizinstudierender des Fachbereichs Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität, angeführt von der Leiterin des Fachbereichs, Frau Prof. Dr. Bettina Hitzer, auf einem Rundgang auf den „Spuren jüdischer Ärztinnen und Ärzte in Magdeburg“ zu geleiten. Wir starteten an den Stolpersteinen für Dr. Joseph Otto Schlein, seine Ehefrau Anni und die Tochter Vera-Judith, die vor der Wohn- und Praxisadresse Breiter Weg 114 verlegt worden sind.

Führung von Studierenden der Otto-von-Guericke-Universität 1Weitere acht Stationen standen auf dem Programm: die historischen Bilder im Durchgang am Katharinenturm, die die lebendige und zugleich äußerst enge Struktur der Altstadt um die Wende zum 20. Jahrhundert zeigen, eine Gelegenheit, die „Neue Medizin“ der Ära Konitzer zu erläutern, die Wohn- und Praxisadresse von Prof. Dr. med. Werner Rosenthal, Breiter Weg 125a, die er mit seiner Ehefrau, Medizinalrätin Dr. med. Erika Rosenthal-Deussen als Wohnadresse teilte, während sie ihren Dienstsitz Remtergang 1, die Gewerbeaufsicht im Bez. IV (Magdeburg, Erfurt und Merseburg) als Kreisärztin hatte - und eine von weiteren sechs Ärztinnen jüdischer Herkunft in der Zeit war. Die Visite führte nun zu den Überresten des Krankenhauses Altstadt, an dessen Neugestaltung Sanitätsrat Prof. Dr. med. Emanuel Aufrecht maßgeblichen Anteil hatte, zur Praxisadresse der Praktischen Ärztin und Geburtshelferin Dr. med. Rosa Freudmann, Breiter Weg 64. Vorbei am Mahnmal für die Alte Synagoge gelangten wir zum Synagogenarchiv. Das Archiv dokumentiert das Gemeindeleben und beherbergt historische Unterlagen. Es wird von Beate Seibert geleitet, die uns einen Blick in das Innenleben der im Dezember 2023 eingeweihten Neuen Synagoge ermöglichen konnte.

Weiter ging es schließlich zur Dienstadresse von Stadtarzt Dr. Ludwig Elieser Bregmann, Hauptwache 4-6, wo die von ihm geführte Eheberatungsstelle ansässig war, zu den Praxisadressen des Praktischen Arztes und Bezirksarztes Dr. med. Dagobert David Silberstein, Johannisbergstr. 8 und des Praktischen Arztes, Wundarzt und Geburtshelfers Sanitätsrat Dr. med. Arthur Steiner, Johannisbergstr. 1. Seinen Abschluss sollte die Tour am ersten in Magdeburg verlegten Stolperstein für Bürgermeister Dr. Herbert Goldschmidt, als Stadtrat zuvor lange Jahre Leiter des Dezernat Krankenhausverwaltung, am Alten Rathaus finden.

Führung von Studierenden der Otto-von-Guericke-Universität 2Was waren die Eindrücke, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung gewinnen konnten? Bis auf wenige Ausnahmen sind die historischen Bauten durch Kriegsfolgen nicht mehr vorhanden, eine wirkliche Vorstellung vom damaligen Magdeburg kann auch durch intensive Aufarbeitung der Quellen nur begrenzt entstehen. Die Stadt ist eine andere geworden, die frühere Präsenz jüdischer Ärztinnen und Ärzte und weiterer namhafter Funktionsträger jüdischer Herkunft im Stadtbild weitgehend nurmehr durch intensive Erinnerungsarbeit zugänglich.