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Datum:
21. 3. 1902
Ereignis:

Frieda Schloffer schreibt an Else von Richthofen:" Ich habe seit Wochen eine fremde Liebesgeschichte im Kopf, sie ist 32, ein ganzer Kerl, frisch und gescheut, Lehrerin für Englisch, malt mit grossem Talent und er 25! Ein schwacher aber hochbegabter Mensch, ich verkehre in seinem Elternhaus. Aber ich bin ihre Vertraute, ihre einzige. Sie musste eine haben, Fast jeden Morgen kommt sie zu mir, dadurch haben wir uns erst befreundet, die Not gab ihr ein geniales Vertrauen ein, so wie ich würde niemand diese Liebe begreifen und zugleich die Liebesgeschichte ohne Heiratsende gutheissen. Der Esel nämlich, d.h. der verrannte Theoretiker sagt nämlich: heiraten wär’ ein Ungleich wegen des Altersunterschieds. Dabei leidet er so, dass er Morphium frisst, richtet sich offenbar zu Grunde, lebt nur Anbetung und Leidenschaft für sie. Es ist kaum zum anschauen, es schmerzt mich um das arme Mädel, die doppelt leidet, da sie selbst auf ein ruhiges Glück verzichten muss und ihn so elend sieht. Er scheint gänzlich unbeeinflussbar, was sein Hirngespinst anbetrifft. Sie möchte, dass ich einmal mit ihm spräche. Aber trotz aller Vorurteilslosigkeit – es bleibt etwas unangenehmes um das: 'Heiraten Sie sie' und ich meine es könnte von mir eher schaden als nützen."

Quellen:

Tufts MS 008/001-001#025

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