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Name:
Winter, Egon
Geboren:
8. Mai 1904, Wien
Bio:
Egon Winter wurde 1904 in Wien geboren, sein Vater war Buchhalter. Die Mutter war zu Hause bei den drei Kindern. Egon Winter besuchte bis 1924 eine höhere Lehranstalt für Maschinenbau, anschließend arbeitete er unregelmäßig als technischer Zeichner in Wien. 1920 bis 1926 war er Mitglied der sozialdemokratischen Studenten und dann der SDAP. 1926 bis 1928 arbeitete Egon Winter in den Heinkel-Flugzeugwerken in Warnemünde (Rostock), dann in Friedrichshafen bei den Dornier-Flugzeugwerken, wo er Ende 1931 offiziell wegen fehlender Aufträge, nach Meinung Winters aber wegen seiner jüdischen Abstammung, entlassen wurde. Anfang 1932 kehrte Winter für kurze Zeit nach Wien zurück und fuhr dann im Mai 1932 auf der Basis eines Arbeitsvertrages mit der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin als ausländischer Spezialist über Berlin, wo er das Visum erhielt, nach Moskau. Von Juni 1932 bis November 1936 arbeitete er im wissenschaftlichen Forschungsinstitut für die Zivilluftfahrt (Nauchno-issledovatelskiy institut grazhdanskogo vozdushnogo flota - NII GVF), anschließend in der Fabrik Nr. 115 des Volkskommissariats für die Rüstungsindustrie, wofür er die Empfehlung von zwei Parteimitgliedern benötigte. Diese Empfehlung gaben ihm Ernst Deutschländer, den er aus der gemeinsamen Schulzeit in Wien kannte, und der ebenfalls aus Wien stammende Leopold Forst (Forst-Feigelstock), den er in Moskau kennengelernt hatte. Egon Winter wurde am 27. September 1937 verhaftet und in die Butyrka gebracht. Er wurde der Spionage beschuldigt, auch habe er, obwohl er ein Konfident des NKWD war, die faschistische Gesinnung seiner aus Deutschland und Österreich stammenden Bekannten (genannt werden u. a. Michael Gaissler, Ernst Grah, geb. 1891 in Solingen, Heinrich Bersch, geb. 1901 in Jugenheim, sowie Valter Karlovich Shtraus und Erikh Maksovich Levi) nicht gemeldet. Winter bekannte sich bezüglich des Vorwurfs der Spionage nicht schuldig, legte aber bezüglich des zweiten Vorwurfs ein Geständnis ab. Am 30. November 1937 wurde er zum Tode verurteilt und am 8. Dezember 1937 in Butowo bei Moskau erschossen. Winter war seit 1935 sowjetischer Staatsbürger. Seiner Frau Ekaterina Lgova wurde wie üblich mitgeteilt, ihr Mann sei zu zehn Jahren Lagerhaft ohne Recht auf Korrespondenz verurteilt worden. Später erhielt sie die Information, er sei am 5. März 1944 gestorben. Ekaterina Lgova wurde mit den zwei Kindern des Ehepaares 1941 nach Irkutsk evakuiert, nach dem Krieg bekam sie weder Wohnung noch Inventar zurück. Den Bescheid über die Rehabilitierung ihres Mannes erhielt sie 1957 in Irkutsk. Winters Sohn Pavel bat 1974 um Informationen über das Schicksal des Vaters, die Anfrage wurde im Februar 1992(!) beantwortet. Winklers Tochter Greta Perfileva wurde im August 1994 als Opfer politischer Repressionen anerkannt.
Web:
www.doew.at/erinnern/biographien/oesterreichische-stalin-opfer-bis-1945/stalin-opfer-w/winter-egon
Literatur:

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
arrow Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen:
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Wem einmal das Rückgrat gebrochen wurde
Der ist kaum dazu zu bewegen
Eine aufrechte Haltung einzunehmen
Denn die Erinnerung
An das gebrochene Rückgrat
Schreckte ihn.

(Johannes R. Becher, Aus dem Nachlass)