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Name:
Arch, Josef
Geboren:
21. März 1908, Graz
Bio:

Josef Arch stammte aus einer sozialdemokratischen Familie, sein Vater war Dekorationsmaler, die Mutter Hutmacherin. Er wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern in Knittelfeld auf, wo er Sattler und Tapezierer lernte. Von 1926 bis 1928 war er Mitglied der SAJ und trat 1928 dem Schutzbund und der SDAP bei. 1932 wurde er aus der SDAP ausgeschlossen, weil er einen Teil seiner Schutzbundkompanie in die kommunistische Arbeiterwehr überführte. Schon Anfang 1933 versuchte Arch, der inzwischen "ausgesteuert" (d.h. ohne Arbeitslosenunterstützung) war, über einen Freund im Moskauer Autowerk eine Stelle zu finden, was ihm allerdings nicht gelang. Als Mitglied der KPÖ seit 1932 nahm Arch 1934 aktiv Anteil an den Februarkämpfen in Graz. Nach kurzer Haft gelang ihm die Flucht nach Jugoslawien und später in die ČSR. Mit dem ersten Schutzbundtransport kam er im April 1934 nach Russland. In Moskau arbeitete er als Dreher im Stalin-Autowerk, bis er im August 1934 auf Empfehlung der KPÖ auf die Komintern-Kaderschule (Schulname: Josef Sattler) geschickt wurde. Vor seiner Verhaftung in der Schule bat Arch KPÖ-Vorsitzenden Koplenig um die Einreiseerlaubnis für seine Lebensgefährtin und ihr Kind aus Graz. Um dieselbe Zeit erreichte die Komintern eine von seinem Mitschüler und Landsmann Lorenz Mraz unterschriebene Denunziation: Arch sei ohne Erlaubnis der Partei nach Russland gefahren, habe keine Berechtigung zur Emigration und drohe nach Hause zu fahren, falls seine Lebensgefährtin nicht nach Moskau kommen könne. Arch wurde am 27. April 1936 verhaftet und der Homosexualität beschuldigt. Als man nach der Verhaftung Archs sein Zimmer im Studentenheim durchsuchte und sein Eigentum beschlagnahmte, fand man Adressenlisten, Quittungen über den Erhalt von Geldsendungen aus Österreich sowie einen Mitgliedsausweis der Vaterländischen Front, ausgestellt im November 1933. Als Inhaber war Franz Arch (vermutlich ein Bruder) ausgewiesen. Über diese Funde machte der österreichische Kaderreferent Johann Täubl (Robert Keller) im Jänner 1937 Mitteilung an den NKWD. Der Schriftverkehr hatte keine unmittelbare Bedeutung mehr, da Arch bereits aus der UdSSR ausgewiesen worden war. Arch wurde am 16. Oktober 1936 bei Negoreloe abgeschoben und traf am 27. November 1936 in Österreich ein. Anschließend musste Arch wegen Teilnahme an den Februarkämpfen in Graz zehn Monate in der Strafanstalt Karlau verbüßen. Von dort aus urgierte er ein Gespräch mit einem Vertreter des Bundeskanzleramtes. An einen Richter richtete er eine Bitte um Hilfe für seine in Moskau verhafteten Landsleute und deren Familien - Kajetan Klug, Franz Haderlapp und Franz Baumberger. Im Fall Arch wurde eine Rehabilitierung auf der Grundlage des Gesetzes der Russischen Föderation vom 18. Oktober 1991 ("Über die Rehabilitation von Opfern der politischen Repression") abgelehnt, weil er ein allgemein kriminelles Verbrechen begangen habe.

Web:
www.doew.at/erinnern/biographien/oesterreichische-stalin-opfer-bis-1945/stalin-opfer-a/arch-josef
Literatur:

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
arrow Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen:
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Das Tabu für Mord ist die strengste Regel, die unsere Rechtssysteme anwenden, und sie hat es so einfach gebrochen.
Aber nur, weil sich ihr Wahnsinn mit dem Reggies verbunden hat. Ähnlich wie die Begegnung zwischen Hitler und Himmler.
Hitler hat Postkarten gemalt und Himmler Hühner gezüchtet, glaube ich. Zusammen verursachten sie den Holocaust.

(Janwillem van de Wetering, Massaker in Maine, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 295)