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Name:
Kippenberger, Thea, geb. Niemand (auch: Windhorst, Erna)
Geboren:
10. Oktober 1901, Hamburg
Bio:
Vater Korrektor. 1916 Monistische Jugend. Mitglied der KPD seit 1922, war von 1923 bis 1930 mit Hans Kippenberger verheiratet. Nach dem Hamburger Aufstand als Lehrerin gemaßregelt, ging mit ihrem Mann nach Berlin, wo die Familie bis 1928 illegal lebte. Diverse RGO-Funktionen. Emigrierte mit den Töchtern Margot (*7. Mai 1924 - gest. 2005) und Jeanette (* 23. Juli 1928) im Juli 1933 in die Sowjetunion. Thea Kippenberger arbeitete als Lehrerin für Deutsch und Geographie an der Karl-Liebknecht-Schule, zuletzt Deutschlehrerin in der Schule Nr. 1 in Jefremowo bei Moskau. Sie wurde am 7. Februar 1938 verhaftet, durch ein NKWD-Sondertribunal am 28. April 1938 zur Auslieferung verurteilt, aber am 3. April 1939 wurde das Urteil in fünf Jahre Arbeitslager umgeändert. Sie kam 1939 in einem Lager in Sibirien ums Leben. Am 30. Mai 1957 wurden Hans und Thea Kippenberger durch das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks posthum rehabilitiert, was die SED aber geheim hielt. Ihre beiden Töchter Margot und Jeanette wurden im November 1937 nach Tschistopol, in die Tatarische ASSR in ein Heim für obdachlose Straßenkinder gebracht, in das mehr und mehr Kinder von \"Volksfeinden\" eingeliefert wurden. Margot Kippenberger heiratete 1948 den russischen Staatsbürger Igor Tschnernawin, konnte mit ihrer Familie im Mai 1958 in die DDR übersiedeln. Sie arbeitete zunächst als Wicklerin im VEB Elektro-Apparate-Werke \"J. W. Stalin\" in Berlin-Treptow. Da sie sich nicht in das verordnete Schweigen einbinden ließ, kam es zu ständigen Auseinandersetzungen mit dem SED-Parteiapparat. Ihr empörter Leserbrief an das SED-Zentralorgan \"Neues Deutschland\", das im Dezember 1979 den 100. Geburtstag Stalins feierte, wurde natürlich nicht veröffentlicht. Sie blieb bis zu ihrer Ausreise nach West-Berlin im März 1981 unter ständiger Beobachtung des MfS. Die jüngere Tochter, Jeanette Kippenberger, arbeitete von 1956 bis 1973 in Ost-Berlin bei ADN als Schreibkraft für Russisch, ab September 1973 bei der SED-eigenen Übersetzerfirma Intertext. Am 14. Juli 1978 übersiedelte sie in die Bundesrepublik Deutschland.
Web:
www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=4570
Literatur:
Mussijenko, Natalija & Alexander Vatlin: Schule der Träume. Die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau (1924-1938). Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 2005, bes. S. 243

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
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