- Name:
- Konrad, Ida, geb. Henkel
- Geboren:
- 1920, Ukraine
- Bio:
- Ida Konrad kam 1920 in einer deutschen Familie zur Welt, die in einem Dorf in der Sowjetrepublik Ukraine lebte. Der Vater verdiente den Lebensunterhalt für die große Familie mit einem Pferdefuhrwerk. Die Mutter versorgte die Hauswirtschaft sowie den Haushalt und betreute ihre sechs Kinder. Anfang der 1920 Jahre zog die Familie in die Stadt Konstantinowka im Gebiet Donezk. Dort besuchte Ida eine deutsche Schule und schloss diese nach der siebten Klasse ab. Nebenbei half sie in der häuslichen Wirtschaft. Im Jahr 1934 wurde ihr Vater wegen der Praktizierung seines religiösen Glaubens als Baptist verhaftet, nach drei Monaten jedoch wieder entlassen. Zwei Jahre später kamen wieder Angehörige des NKWD in die Familie und verhafteten erneut den Vater sowie zwei der ältesten Geschwister. Als Familienangehörige verhaftete das NKWD im September 1937 die Mutter und die drei Jahre ältere Schwester Ernestine, auch Tine genannt. Ida und der fünfjährige Bruder erzwangen durch Tränen und Geschrei ihre Mitnahme in das Gefängnis, um nicht allein zurückbleiben zu müssen. Der Junge kam bald in ein Kinderheim. Ida wurde als Minderjährige zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester als \"Angehörige der Familie eines Vaterlandsverräters\" zu fünf Jahren Gulag verurteilt. Ein Massentransport brachte sie in die Steppe Kasachstans, wo in der Nähe der Stadt Akmolinsk ein Sonderlager für solche Frauen eingerichtet wurde. Ida Konrad verrichtete Zwangsarbeit in der Landwirtschaft und in einer Nähfabrik. Ihre Schwester Ernestine starb 1942 im Haftlager. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Haftzeit offiziell zu Ende, aber die Frauen wurden aufgrund \"besonderer Verordnungen\" während des Krieges nicht entlassen. Erst im September 1946 erfolgte ihre Entlassung nach nunmehr neun Jahren, allerdings nicht in die Freiheit, sondern in die Verbannung auf \"ewig\", wie es hieß. Beide Frauen wurden in der Stadt Karaganda zwangsangesiedelt, die sie nicht verlassen durften; zudem mussten sie sich regelmäßig auf einer Kommandantur melden. Ida Konrad arbeitete in der Nähfabrik und heiratete 1947 Reinhold Konrad; in den Folgejahren kamen drei Söhne zur Welt. Mitte der 1950er Jahre wurde die Verbannung aufgehoben. Doch die Familie blieb in Kasachstan, obwohl Ida 1958 juristisch völlig rehabilitiert wurde. 1969 zogen sie in die ukrainische Stadt Nikopol, um der einstigen Heimat etwas näher zu sein. Anfang der 1990er Jahre konnte die Familie nach Deutschland übersiedeln und ließ sich in Bayern nieder. Verstarb 1998..
- Web:
- www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/mediathek/frauen-im-gulag-innenansichten-des-lagers-akmolinsk
- Literatur:
Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen: