- Name:
- Ku(h)nt, Alfred
- Geboren:
- 1904, Berlin
- Bio:
- Stammte aus einer Arbeiterfamilie; lernte Schlosser. 1923 Mitglied der KPD, er stand in Berlin auf dem linken Flügel der Partei und kam 1923 in den AM-Apparat. 1925 Anhänger von Ruth Fischer, gehörte Kuhnt der Reichsleitung der Linken Opposition an. 1927 aus der KPD ausgeschlossen, aber nach der Kapitulation vor dem Thälmann-ZK wieder in die Partei aufgenommen. Als Mitarbeiter des Geheimapparates in Deutschland gefährdet, übersiedelte er im Februar 1932 nach Moskau und war dort in der Komintern tätig. Verhaftet am 1. August 1936 in Moskau; beschuldigt der Spionage, der Verbindungen zur Gestapo und der konterrevolutionären trotzkistischen terroristischen Propaganda, wurde im Schauprozeß gegen Sinowjew u. a. im August 1936 als trotzkistischer \"Kurier\" genannt. Bermann-Jurin (Hans Stauer) behauptete, Trotzkis Sohn Sedow wollte einen \"vertrauenswürdigen Deutschen\" mit einem Geheimauftrag nach Moskau schicken. \"Ich nannte Alfred Kunt [sic!\"], den ich als überzeugten Trotzkisten kannte.\" Angeblich sollte sich Kuhnt in Moskau mit einem der Hauptangeklagten des Prozesses, Iwan Smirnow, treffen und ihm zwei geheime Dokumente Trotzkis überbringen. \"Alfred Kunt fuhr im Januar/Februar 1932 nach Moskau ... Kunt teilte auch mit, daß er sich in der Nähe von Moskau niedergelassen hatte, daß er in seiner Arbeit Erfolge zu verzeichnen habe und daß die \'Sache gut geht\'\", heißt es laut der Aussage Bermann-Jurins im Prozeßprotokoll. Kuhnt sollte an einem \"Terroranschlag\" gegen Stalin beteiligt gewesen sein, wurde indessen weder angeklagt, noch trat er im Prozess als \"Zeuge\" auf. Es bleibt ungeklärt, ob er ein \"Geständnis\" verweigerte. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 16. August 1937 in Moskau zum Tode verurteilt und an diesem Tag erschossen. Rehabilitiert am 23. Mai 1961. Bestattungsort Friedhof Donskoe.
- Web:
- www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=4667
- Literatur:
- Institut zur Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD. Berlin: Dietz Verl., 1991, S. 128; Weber, Hermann, Jakov Drabkin, Bernhard H. Bayerlein und Gleb Albert: Deutschland, Russland, Komintern - Dokumente (1918-1943): Nach der Archivrevolution: Neuerschlossene Quellen zu der Geschichte der KPD und den deutsch-russischen Beziehungen. Berlin/München/Boston 2015, S. 1264
Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen: