thumb
Name:
Kunik, Erich (auch: Korn)
Geboren:
27. April 1890, Deutsch-Lissa b. Breslau
Bio:
Sohn eines Bauunternehmers; besuchte das Gymnasium und eine Privatschule in Breslau sowie eine landwirtschaftliche Schule in Liegnitz, um mit einem Ingenieurabschluß den väterlichen Betrieb zu übernehmen. 1914 zum Kriegsdienst einberufen, wurde er 1915 wegen einer schweren Krankheit entlassen. Kunik geriet in Gegensatz zu seiner Familie und brach alle Beziehungen ab. 1917 trat er der USPD in Breslau bei und wurde im November 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates von Lissa. Im März 1919 Mitbegründer und Redakteur der \"Schlesischen Arbeiterzeitung\". Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD. Von März 1921 bis April 1923 Redakteur an den KPD-Zeitungen in Nürnberg, Augsburg und in Hagen/Westfalen, ab Mai 1923 Redakteur am \"Rhein-Ruhr-Pressedienst\" in Düsseldorf. Im Herbst 1923 Mitarbeiter der Oberleitung West, erfüllte Kunik \"Sonderaufträge\" im UB Hagen. Anfang 1925 kam er zum Pressedienst der KPD nach Berlin, zwischenzeitlich arbeitete er von März bis Juni 1925 in der Berliner Vertretung der sowjetischen Nachrichtenagentur Rosta. Von Juli 1925 bis Ende 1926 war Kunik Leiter des Reichspressedienstes der KPD, bekam den Auftrag, die Informationsabteilung zu reorganisieren, und wurde 1928 schließlich Leiter der Informationsabteilung des ZK der KPD, die er bis zu ihrer Auflösung im Dezember 1933 führte. Von 1927 bis 1932 war Kunik auch ständiger Mitarbeiter des theoretischen Organs der KPD \"Die Internationale\", wo er ideologische und politische Themen behandelte. In den kontroversen innerparteilichen Debatten trat er indes nicht hervor. Er lebte bereits ab Ende 1932 illegal in Berlin und war als Spezialist für Politökonomie bis Anfang 1933 auch Lehrer an der Reichsparteischule und bei KPD-nahen Massenorganisationen. Im Dezember 1933 auf Weisung des ZK in die Sowjetunion emigriert, leitete er in Moskau unter dem Parteinamen Erich Korn ab Anfang 1934 das deutsche Kabinett am Institut für Weltwirtschaft und Weltpolitik. Im September 1937 geriet Kunik (er hatte u. a. Werner Hirsch, Hermann Remmele und Leo Flieg als Zeugen für seine KPD-Tätigkeit in Deutschland benannt) in die stalinistischen Säuberungen und wurde vom NKWD verhaftet. Erich Kunik soll 1939 in einem Gulag im Gebiet von Workuta umgekommen sein, nicht auszuschließen ist, daß er unmittelbar nach dem Urteil des Militärkollegiums erschossen wurde. Sein Sohn Peter Kunik (Korn) (* 29. 11. 1917) emigrierte 1933 mit der Mutter in die Sowjetunion, wurde Mitglied des Komsomol und besuchte wie andere Emigrantenkinder die Karl-Liebknecht-Schule. Als sein Vater verhaftet wurde und er sein Maschinenbaustudium abbrechen musste, wandte sich der \"Sohn eines Volksfeindes\" direkt an Stalin. Er durfte anschließend bis 1944 an der Hochschule für Textilindustrie studieren und wurde Diplom-Ingenieur, ab 1944 Redakteur am Moskauer Rundfunk. Peter Korn-Kunick kehrte 1947 nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und arbeitete bis 1952 im DDR-Ministerium für Industrie, 1953/54 Leiter der Kontrollabteilung beim Präsidium des DDR-Ministerrates, war dann bis 1964 stellvertretender Leiter des Büros des Präsidiums des Ministerrates. Peter Korn wohnte 2008 als Rentner in Berlin.
Web:
www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=4669
Literatur:
Institut zur Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD. Berlin: Dietz Verl., 1991, S. 128-129

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
arrow Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen:
arrow Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.