thumb
Name:
Bernier, Traute (Gertrud)
Geboren:
4. August 1901, Doberan
Bio:

1923 Eintritt in die KPD. 1929 Schreibkraft in der Handelsvertretung der UdSSR in Berlin, 1930 Übersiedlung in die UdSSR. Von 1934 bis 1937 Mitarbeiterin in der Redaktion der "Deutschen Zentralzeitung". Hier lernte sie Richard Grewe, den Chefredakteur der "Deutschen Zentralzeitung", kennen. Grewe wurde am 14. November 1937 als "Mitglied einer Terrororganisation" verhaftet, am 25. Dezember 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR "als deutscher Spion und Diversant" zum Tode verurteilt. Seine Frau wurde sechs Monate später, am 8. Juni 1938, verhaftet. Am 23. [27.] Juli 1938 wurde Gertrud Bernier von der Sonderberatung des NKWD als "Angehörige eines Verräters an der Heimat" zu drei Jahren Besserungsarbeitslager verurteilt. Am 7. September 1938 aus dem Butyrka-Gefängnis in Moskau im KARLag eingetroffen, am 20. [8.] Juni 1941 entiassen. Sie war in der Näherei des Sonderlagers beschäftigt. Nach ihrer Endassung arbeitete sie von 1941 bis 1946 als Wäscherin, von 1946 bis 1949 als Botin in Aleksandrowka. Ihr Vorgesetzter beschrieb sie als verschlossen und schweigsam, und merkte an, daß sie am gesellschaftlichen Leben kein Interesse zeige und nicht darauf Wert lege, ihre Loyalität gegenüber der Sowjetmacht unter Beweis zu stellen. Als "politisch nicht vertrauenswürdige Person" muß sie unter Beobachtung gestellt werden, unterstrich 1949 der Sekretär des Stadtparteikomitees von Aleksandrowka. Deshalb wurde ihr im August 1949 gestellter Antrag auf Ausreise in die DDR abgelehnt. Erst am 2. April 1956 durfte sie die UdSSR verlassen. Seit 1956 in der DDR. Am 1. September 1956 wurde die Parteimitgliedschaft durch die ZPKK von Anfang an wieder hergestellt. Arbeitete im Dietz Verlag Berlin. Starb am 13. September 1969.

Web:
Literatur:

Dehl, Oleg: Verratene Ideale. Zur Geschichte deutscher Emigranten in der Sowjetunion in den 30er Jahren. Berlin: trafo, 2000, S. 304; Institut zur Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD. Berlin: Dietz Verl., 1991, S. 34; Hedeler, Wladislaw: Möglichkeiten und Grenzen bei der Erstellung von Kollektivbiographien. Dokumente von Gulag-Häftlingen in den Kaderakten der Komintern, in: Buckmiller, Michael & Klaus Meschkat (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte der Kommunistischen Internationale. Berlin: Akademie Verl., 2014, S. 394-395

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
arrow Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Korrekturempfehlungen oder Ergänzungen:
arrow Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wem einmal das Rückgrat gebrochen wurde
Der ist kaum dazu zu bewegen
Eine aufrechte Haltung einzunehmen
Denn die Erinnerung
An das gebrochene Rückgrat
Schreckte ihn.

(Johannes R. Becher, Aus dem Nachlass)