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Name:
Schnur, Peter (auch: Kolaritsch, Josef)
Geboren:
1. Mai 1888, Hatzfeld/Ungarn
Bio:
Sein Vater war Handwerker, die meisten Familienmitglieder arbeiteten in einer Ziegelfabrik. Peter Schnur begann im Alter von zwölf Jahren eine Goldschmiedelehre und arbeitete danach in Temesvar und Budapest, wo er der Gewerkschaft und der ungarischen sozialdemokratischen Partei beitrat. 1907 ging Schnur nach Süddeutschland auf Arbeitssuche, trat in die SPD ein, wechselte nach Hamburg und schiffte sich 1908 nach New York ein. Dort arbeitete Schnur als Goldschmied und Schlosser, war aber oft arbeitslos. 1908 schloss er sich der ungarischen Sektion der amerikanischen Sozialdemokraten an, die sich 1917 spaltete. Vermutlich ausgewiesen, reiste Schnur 1919 nach Jugoslawien aus und fand vorübergehend Arbeit in Slowenien und im Banat. Er trat der jugoslawischen Sektion der Komintern bei und emigrierte 1921 mit Zustimmung des ZK der jugoslawischen KP nach Österreich. Schnur war wahrscheinlich ein geheimer Verbindungsmann der kommunistischen Balkanföderation. 1924 arbeitete er in einem Hüttenwerk im steirischen Neuberg an der Mürz und wurde Mitglied der KPÖ, die ihn 1925 - vermutlich um seiner Verhaftung zuvorzukommen - in die UdSSR abkommandierte. Zuerst arbeitete Schnur am Bau eines Kraftwerkes bei Leningrad. Er übersiedelte dann nach Moskau, wo er zwischen Herbst 1925 und Sommer 1928 an der Komintern-Kaderschmiede KUNMZ studierte und Mitglied der VKP (b) wurde. Im Sommer 1928 kehrte er mit Zustimmung Koplenigs nach Österreich zurück und ließ sich in Steyr nieder, wo er sich Franz Kollaritsch nannte. Ein Jahr lang war er in den Steyr-Werken beschäftigt, danach arbeitslos. Schnur wurde für die KPÖ in den Gemeinderat gewählt und leitete die KPÖ-Ortsgruppe, auch war er Mitglied des ZK. Nach eigenen Angaben musste er im Dezember 1931 aus Steyr flüchten (wahrscheinlich drohte ihm die Ausweisung). Bis zu seiner neuerlichen Emigration in die UdSSR am 4. November 1932 leitete Schnur das Sekretariat des Bundes der Freunde der Sowjetunion in Wien. In Moskau war Schnur zuerst Praktikant im Apparat der Profintern, später Lehrer und Schulwart in der Karl-Liebknecht-Schule. Zur Zeit seiner Verhaftung am 10. Januar 1938 war er Wirtschaftsleiter der Schule. Er verbrachte sieben Jahre in Lagern. Am 17. Januar 1940 beschlossen die in Moskau befindlichen ZK-Mitglieder der KPÖ, einen Brief an den Staatsanwalt zu schreiben, damit der Fall überprüft werde. Schnur überlebte und kehrte nach dem Krieg nach Österreich zurück. In den 50er- 60er Jahren Mitarbeiter des ZK der KPÖ.
Web:
www.doew.at/erinnern/biographien/oesterreichische-stalin-opfer-bis-1945/stalin-opfer-s/schnur-peter
Literatur:
Mussijenko, Natalija & Alexander Vatlin: Schule der Träume. Die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau (1924-1938). Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 2005, bes. S. 249

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
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