* 24. Juni 1870, Berlin - † April 1942, Yercaud, Tamil Nadu/Indien
Praktischer Arzt und Facharzt für Bakteriologie und Pathologie / Brückstr. 1, später Breiter Weg 135
Werner Heinrich Eduard Samuel R. wird am 24. Juni 1870 in Berlin als einziges Kind des Physiologen Dr. med. Isidor Rosenthal (1836-1915) und dessen Ehefrau Anna Jeanette Amalie, geb. Höber (1841-1928) geboren. Der Vater ist aus der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgetreten, auch der Sohn wird getauft.
R. erhält vom 6. bis 14. Lebensjahr Privatunterricht und besucht anschließend von 1884 bis 1888 das Gymnasium in Erlangen, danach nimmt er dort und in Berlin und Kiel das Studium der Medizin auf. Am 22. Juni 1893 wird er an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen mit der Arbeit „Thermoelektrische Untersuchungen über die Temperaturvertheilung im Fieber“ und der Note „Magna cum laude“ promoviert, absolviert am 23. Januar 1894 das Staatsexamen mit der Note „Sehr gut“ und wird im gleichen Jahr approbiert.
Er arbeitet bei dem Pathologen Gustav Hauser in Erlangen und dem Physiologen Angelo Mosso in Turin. 1898 ist er erster Assistent am pathologisch-anatomischen Institut der Universität Erlangen. In dieser Zeit beschreibt er als erster bestimmte Fasern im Gehirngewebe, die 1920 nach ihm „Rosenthal-Fasern“ benannt werden.
1899 wechselt er nach Straßburg, später als Hilfsarzt an die innere Abteilung des städtischen Krankenhauses in Frankfurt/Main. Von Herbst 1902 bis 1904 ist er als Assistent am hygienisch-bakteriologischen Institut der Universität Erlangen tätig. Einer kurzzeitigen Tätigkeit am pathologisch-anatomischen Institut der Universität Basel folgt ein Wechsel an das hygienische Institut der Universität Göttingen.
1905/1906 ist R. Assistent an der bakteriologischen Untersuchungsanstalt für den Regierungsbezirk Hildesheim, ehe er 1907 die venia legendi für Bakteriologie und experimentelle Therapie an der Universität Göttingen erhält, die auf ein Jahr befristete Lehrerlaubnis und den Titel eines Privatdozenten, 1911 in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen das Prädikat „Professor“.
Er engagiert sich im Göttinger Volkshochschulverein, verfasst Fachbücher und tritt als Referent in Fragen der Hygiene und Wohnungsfürsorge hervor. Während des I. Weltkriegs ist er - freiwillig gemeldet - Militärarzt und von 1914-1918 Leiter der bakteriologischen Untersuchungsstelle in den Lazaretten Nürnberg, Grafenwöhr und Ingolstadt, zuletzt Lagerarzt im Kriegsgefangenenlager Grafenwöhr und bis Mitte 1919 Korpshygieniker im Grenzschutzkommando Suwalki in Ostpolen. Für seine Verdienste wird R. mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Schon am 21. Dezember 1915 heiratet R. in Kiel die am Ort gebürtige Erika Deussen (* 9. September 1894), einzige Tochter des Indologen Prof. Dr. phil. Paul Jacob Deussen (1845-1919) und dessen Ehefrau Marie Henriette, geb. Volkmar (1863-1914). Am 30. Dezember 1916 kommt die gemeinsame Tochter Ruth in Erlangen zur Welt, am 5. August 1918 die Tochter Eva.
Ein 1920 seitens der Medizinischen Fakultät eingebrachter Antrag, R. mit einem Lehrauftrag für Schulhygiene zu betrauen, wird vom Kurator der Universität abgelehnt, R. gleichwohl die Dienstbezeichnung „außerordentlicher Professor“ übertragen. Am 17. November 1922 die Tochter Anna Beate zur Welt. 1923 ist R. zeitweilig stellvertretender Kreisassistenzarzt des Landkreises Göttingen. Weitere Versuche R.s, das Endziel der akademischen Laufbahn zu erreichen, scheitern - womöglich aus politischen Gründen, da R. offen für die Ziele der „Freisinnigen Volkspartei“ (FVp) und der „Deutschen Demokratischen Partei“ (DDP), deren Mitglied er ist, eintritt. Auch seine jüdische Herkunft wird thematisiert, so wird er Ende der 20er Jahre auf einer „Judenliste“ der Universität Göttingen genannt.
Letztlich führt 1929 eine Anstellung von Erika Rosenthal-Deussen als Gewerbemedizinalrätin zum Umzug der Familie nach Magdeburg, wo R. kurzzeitig eine Arztpraxis betreibt, ehe er 1933 - als ehemaliger „Frontkämpfer“ - in Göttingen von den Vorlesungen entbunden wird und beide Eheleute entlassen. Im November 1934 emigrieren das Ehepaar und die älteste Tochter Ruth nach Indien.
R. kann in Mysore eine Professur für Bakteriologie und Pathologie am Seruminstitut des Medical College antreten, Erika Rosenthal-Deussen wird in der Frauen- und Kinderfürsorge tätig. Als feindliche Ausländer werden sie im Internierungslager Yercaud im indischen Bundesstaat Tamil Nadu interniert, wo Werner Rosenthal im April 1942 stirbt.
Die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie e.V. vergibt seit 2010 den Werner-Rosenthal-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Fachgesellschaft.