* 12. April 1896, Brzeżany/Ukraine - † 12. Januar 1971, Düsseldorf
Praktische Ärztin u. Geburtshelferin / Breiter Weg 64
F. ist die Tochter des Kaufmanns Leib Dorfmann (* 1860) und seiner Ehefrau Bela (* 1866). Aus der Ehe gehen vier weitere Kinder hervor, die Brüder Jacob (* 1889) und Isak (* 1891) und die Schwestern Mina (* 1899) und Regina (* 1904). F. besucht zunächst die Volksschule, später das Gymnasium, das sie mit dem Abitur abschliesst.
1918-1923 studiert sie an der Wiener Universität Medizin. Am 7. August 1927 wird in Magdeburg der Sohn Norbert geboren. Sie erhält 1929 die deutsche Staatsbürgerschaft und heiratet im Mai den am 9. Juli 1890 in Chorostków geborenen Kaufmann Carl Chaim (Chajem) Freudmann († 29. Dezember 1974), der wie sie jüdischer Herkunft ist und 1930 in Magdeburg eine Saat- und Samengroßhandlung in der Erzberger Str. 16 betreibt. Unter der gleichen Adresse unterhält F. eine Praxis für mod. Kosmetik und Elektrotherapie. Am 25. Juni 1931 erlangt sie in Köln das Staatsexamen und am 15. Juli 1932 die Approbation als Ärztin. Sie promoviert am 22. August 1932 in Berlin und lässt sich am 15. November 1932 in Magdeburg als Praktische Ärztin Breiter Weg 64 nieder.
Bereits am 1. August 1933 wird ihr die Approbation entzogen. Die Ereignisse im Vorfeld schildert sie später: „Angefangen hat es am 1. April 1933 mit Wache vor dem Haus und beklebtem Schild mit dem gelben Fleck 'Achtung Jude'. Im benachbarten Haus lebte ein Arzt (Dr. Berger), der nicht unterlassen hat bei gegebener Gelegenheit meine Patienten auf meine jüdische Abstammung aufmerksam zu machen, um sie einzuschüchtern. Dann kamen Detektive, Agenten. Mal war es eine Anzeige, dass ich mit Absicht meinen Diathermie-Apparat arbeiten lasse damit der Radioempfang gestört wird. Bald war es ein Mann, der aus mir eine Erklärung herauszupressen versuchte, dass eine event. Durchführung einer Schwangerschaftsunterbrechung für mich keine kriminelle Handlung bedeute indem dies ein Gesetz eines Staates wäre, der mich nicht schützt.“
Auch der Ehemann wird in seinem Geschäft bedroht und verlässt das Land. „Sie haben an mich geldliche Ansprüche gestellt, mich am 10. Dezember 1933 vors Gericht geladen. Der Schwindel war so offensichtlich, dass der Richter gleich bei den ersten Worten den Antrag abgelehnt hat. Daraufhin hat der Kläger in einem jener Zeit angepassten, stark drohenden Ton in einer hochtrabenden antisemitischen Rede angekündigt, dass er weitere Schritte unternehmen würde. Nach Schluss dieser Verhandlung erteilte mir mein RA den Rat sofort das Land zu verlassen. Ich hatte Grund anzunehmen, dass dies die Meinung des Richters sei. Im Zustand eines Nervenzusammenbruchs bin ich nach zwei Tagen von Freunden in einen Wagen verfrachtet worden, mit dem Ziel Triest. Dorthin kam auch mein Mann aus Wien.“
Am 14. Dezember 1933 schliesst F. die Praxis, wandert über Triest nach Palästina aus und lässt sich in Haifa nieder. Am 22. Januar 1934 erhält sie die Lizenz zur Ausübung des medizinischen Berufs und nimmt eine Arbeit in einer Säuglingskrippe auf. F. leidet an langwierigen Erkrankungen, die Ehe wird geschieden.
1949 wandert sie nach Kanada aus und lässt sich in Toronto nieder, wo sie als Krankenschwester am New Mount Sinai Hospital tätig ist. 1956 erleidet sie einen Herzinfarkt. Sie entschliesst sich nach Deutschland zurück zu kehren und trifft am 14. August 1957 in Düsseldorf ein. Am 1. Oktober kann sie sich dort in der Franklinstr. 58 als Ärztin niederlassen. Allerdings wird sie laufend von schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen heimgesucht, die sie nicht in die Lage versetzen, den Beruf als Ärztin tatsächlich auszuüben.
Am 1. Dezember 1970 unterzieht sie sich im Dominikus-Krankenhaus in Düsseldorf-Hardt einer Uterusamputation. Sie stirbt am 12. Januar 1971, womöglich an den Folgen des Eingriffs.